00:37 16 Dezember 2017
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    Anti-islamische Protestaktion in Köln

    SPD-Politiker sieht keine „Islamisierung des Abendlands“

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    Politik
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    SPD-Politiker Aziz Bozkurt sieht keine Gefahr einer Islamisierung der westlichen Welt. Die Pegida-Proteste erklärt der Experte damit, dass die deutsche Gesellschaft die neue Vielfältigkeit noch nicht verinnerlicht habe.

    Die Warnungen vor einer Islamisierung Deutschlands und einem Untergang des Abendlandes sind für Bozkurt, dem SPD-Landesvorsitzenden der AG „Migration und Vielfalt“ in Berlin, schlichtweg ein Hirngespinst. „Hinter so einem Satz steckt der Glaube, dass irgendeine Religion, eine Gesellschaft so verändert, dass alle in Burka herumlaufen oder sonstiges. Diese Annahme ist überhaupt schon schwierig zu glauben“, sagte Bozkurt in einem Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa.

    Nach Angaben des SPD-Politikers gibt es in Deutschland etwa vier Millionen Muslime — fünf Prozent der Gesellschaft. „Das Problem aber liegt in der Bezeichnung Muslime. Viele bezeichnen jeden, der einen türkisch-stämmigen Hintergrund hat als Muslim, egal ob gläubig oder ungläubig, ob praktizierend oder nicht.“ Für Bozkurt steht fest: Sowohl  Islam als auch Pegida gehören zu Deutschland. „Denn Pegida ist das Gesicht eines rassistischen Untertons, den wir schon immer hatten. Es ist einfach nur ein neues Gewand“, sagt der SPD-Politiker und gibt zu bedenken, dass nur ein Teil der Bevölkerung  der Meinung sei, dass Muslime zu einer Überfremdung Deutschlands beitragen würden, der Rest bewerte diese neue Vielfältigkeit als positiv. Oft haben die Menschen keinen Kontakt mit Muslimen und verstecken sich hinter allgemeinen  Feindbildern.

    Die Menschen, die die Angst haben, müssten angesprochen werden. Dabei dürfe man nicht diese Gefühle herunterspielen, sondern man müsse das Bild einer Nation zeichnen, die Vielfalt als positiv bewertet.  Um wiederum eine effektive Integration gewährleisten zu können,  sollte der Staat auf eine gerechte Bildungspolitik achten. „Dabei müssen nicht nur Schulen, wie die Rütli-Schule, gefördert werden, sondern auch Institutionen ohne Schüler mit Migrationshintergrund.“

    Die Rütli-Schule wurde bundesweit bekannt, als Lehrer im März 2006 beim Berliner Bildungssenator die Schließung der Schule verlangten, weil sie der Gewalt durch Schüler nicht mehr standhalten könnten. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 80 Prozent der Schüler Muslime. Dies führte unter anderem zu einer innenpolitischen Debatte über die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Damals hat das Land für den Umbau von „Deutschlands schlimmster Schule“ 32 Millionen Euro bewilligt.

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