15:55 18 Dezember 2017
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    Maidan-Platz in Kiew

    Ein Jahr Maidan-Proteste: Ex-Innenminister will keine Schießbefehle erteilt haben

    © Sputnik/ Andrey Stenin
    Politik
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    Der ehemalige Innenminister der Ukraine, Vitali Sachartschenko, hat nach eigenen Worten den Sicherheitskräften im Februar 2015 nicht befohlen, Schusswaffen gegen die Kundgebungsteilnehmer auf dem Maidan einzusetzen.

    Sachartchenko gewährte RIA Novosti ein Interview, das am Donnerstag veröffentlicht wurde.

    Ende November 2013, als die Regierung von Nikolai Asarow die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU ausgesetzt hatte, besetzten Anhänger der europäischen Integration den Hauptplatz  Kiews – Maidan Nesaleschnosti (Unabhängigkeitplatz). Späterhin wurde Maidan zum Epizentrum einer Konfrontation zwischen den Spezialkräften des Innenministeriums und den Protestteilnehmern.

    Unter dem Motto „Euromaidan“ fanden damals landesweit Massenaktionen statt.

    Während der gewaltsamen Straßenauseinandersetzungen in Kiew, bei denen Rechtsradikale Schusswaffen und Molotov-Cocktails einsetzten, wurden auf beiden Seiten Dutzende Menschen getötet. Die eingeleiteten Ermittlungen zu dem Blutbad im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt sind bisher nicht abgeschlossen worden.

    Sachartschenko verneinte die Frage, ob er den Einsatz von Schusswaffen auf dem Maidan angeordnet habe. Ein Innenminister in der Ukraine sei eine politische Figur und könne den Einheiten, die der von ihm geleiteten  Behörde unterstellt sind, keine Befehle erteilen, so der Ex-Minister.

    „Alle Befehle werden zunächst in Ministerialabteilungen vorbereitet und von den zuständigen Abteilungschefs unterschrieben und erst dann dem Minister zur Unterschrift vorgelegt. Hätte es einen Befehl über den Einsatz von Schusswaffen gegeben, (…) wären dokumentarische Spuren eines solchen Befehls längst entdeckt worden“, erläuterte Sachartschenko.

    Der Ex-Minister verwies darauf, dass am 18. und 19. Februar vorigen Jahres 14 Polizisten getötet und 86 verletzt wurden. Die jetzigen Behörden haben bisher keine Untersuchung dazu durchgeführt, so Sachartschenko.

    „Das Gleiche betrifft die Geschichte mit den ersten ‚sakralen Opfern‘ – den ‚unbekannten Scharfschützen‘“, so Sachartschenko. Ihm zufolge wurden später alle Einschusslöcher, die von den Scharfschützen stammten,  vernichtet. Daher seien der Öffentlichkeit auch keine Ergebnisse einer unvoreingenommenen Untersuchung vorgestellt worden, ergänzte der Ex-Minister.

    Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte am Mittwoch, er rechne damit, bis Wochenende einen Bericht der Sicherheitsorgane über die Untersuchung der Maidan-Ereignisse zu erhalten.

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    Tags:
    Maidan, Vitali Sachartschenko, Arsseni Jazenjuk, Ukraine
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