20:25 14 November 2019
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    Der LINKE-Abgeordnete Andrej Hunko

    Reise nach Donezk - Medien hetzen gegen Linke-Politiker

    © Flickr / Niels Holger Schmidt
    Politik
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    Vor wenigen Tagen waren die beiden Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko und Wolfgang Gehrcke zu einer humanitären Reise in den Osten der Ukraine aufgebrochen. Von zahlreichen Medien hagelte es in Deutschland dafür Kritik. „Es sollte weniger ein politisches, als ein humanitäres Zeichen sein“, verteidigt Hunko den Besuch in Donezk.

    Die Reise der beiden Politiker war bereits länger geplant, so Hunko im Gespräch mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa: "Wir waren im November schon im Osten der Ukraine und hatten uns Flüchtlingslager angeschaut. Und dort sind wir aufmerksam gemacht worden auf die Situation der Krankenhäuser, insbesondere der Kinderkrankenhäuser in Donezk und Gorlowka. Und dann haben wir kurz vor Weihnachten eine Spendenaktion gestartet und waren völlig überwältigt von dem Spendeneingang.“ Insgesamt sind bei dem Aufruf über 80.000 Euro zusammengekommen.

    Die einzige Möglichkeit, die Spenden in dringend benötigte Medikamente umzusetzen, war laut Hunko die persönliche Einreise über Russland: "Zum einen haben wir dafür gebürgt, dass wir die Medikamente persönlich übergeben, um sicherzustellen, dass sie an der richtigen Stelle ankommen. Das war vielleicht auch ein Grund, warum so viele Menschen gespendet haben. Außerdem wollten wir natürlich auch ein politisches Signal senden, dass humanitäre Hilfe im Donbass dringend notwendig ist. Die humanitäre Lage ist katastrophal.“

    Zerstörte Flugzeuge am Flughafen Donezk
    © Sputnik / Mikhail Voskresensky
    Bei der Reise kam es laut Hunko auch zu einem Treffen mit Alexander Sacharschenko, dem Chef der selbsternannten Volksrepublik Donezk: "Wir hatten im Vorfeld unter uns vereinbart, wenn es zu einer Gesprächssituation kommt, würden wir ihm nicht aus dem Weg gehen. Es war ja auch ein Tag nach den Minsker Vereinbarungen, wo auch Sacharschenko Teil der Verhandlungen war. Deshalb hatten wir auch ein kurzes Gespräch mit ihm und ich finde das völlig legitim." Bei einer gemeinsamen Fahrt durch Donezk hatten Hunko und Gehrcke die Möglichkeit, sich persönlich ein Bild von der humanitären Lage zu machen: „Wir hatten einen kurzen Besuch in dem Viertel in Donezk, das an den Flughafen angrenzt. Dort waren die Einschläge des ukrainischen Militärs, bzw. der mit ihnen verbündeten Paramilitärs am schlimmsten. Die Innenstadt ist relativ normal, die Menschen gehen dort einkaufen. Aber im Stadtviertel Richtung Flughafen ist es furchtbar. Jedes zweite Haus ist zerstört, Schulen sind zerstört, es leben kaum noch Menschen dort. Einige saßen vor ihren Häusern und haben auch kaum noch auf Einschläge reagiert. Das war ein ganz erschütterndes Bild."

    Vor allem in Kreisen der Bundesregierung wird Russland für den Konflikt im Osten der Ukraine mitverantwortlich gemacht. Schuldzuweisungen lehnt Hunko grundlegend ab: "Ich finde es wirklich ausgesprochen wichtig, dass man dieses Schwarz-Weiß-Denken überwindet. Es gibt keinen russischen Einmarsch, die russische Armee kämpft dort nicht. Wir haben auch nichts dergleichen dort gesehen. Und ich denke, so einseitig darf man in so einer brisanten Situation nicht darangehen." 

    Hunko setzt nun darauf, dass sich das ukrainische Militär und die Rebellen im Osten des Landes gleichermaßen an eine Waffenruhe halten: „Jetzt muss man sich an die Umsetzung des Minsker Abkommens halten, insbesondere Punkt 7 dieser Vereinbarung: die Ermöglichung von humanitärer Hilfe. Aber ich sehe eben auch, dass es auf beiden Seiten nur eine geringe Bereitschaft gibt, Minsk ernst zu nehmen. Doch das Abkommen kann auch nur ein erster Schritt sein, der Prozess muss fortgesetzt werden. Und alles, was in diese Richtung geht, unterstützen wir." 

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    Tags:
    Minsker Abkommen, Andrej Hunko, Wolfgang Gehrcke, Alexander Sachartschenko, Deutschland, Donezk, Ukraine