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    Geschehnisse auf dem Maidan Platz

    Schwere Vorwürfe an Kreml: Rächt sich Poroschenko für Niederlage in Minsk?

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    Politik
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    Pjotr Poroschenko hat am Freitag überraschend den Kreml für die tödlichen Schüsse auf dem Kiewer Protestplatz Maidan vor einem Jahr mitverantwortlich gemacht. Laut dem Experten Alexej Tschesnakow will sich der ukrainische Präsident so für seine Niederlage bei den Minsker Friedensgesprächen rächen.

    „Poroschenko hat in Minsk gegen Putin verloren und in akute Hysterie verfallen“, kommentierte Tschesnakow, Direktor der Moskauer Denkfabrik Zentrum für politische Konjunktur, am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Novosti. Poroschenkos Ausfall gegen den russischen Präsidentenberater Wladislaw Surkow bezeichnete der Experte als Akt der „Verzweiflung, um Wut auszulassen“. „Denn Surkow hatte als Mitglied der russischen Delegation bei den Gesprächen in Minsk eine harte Position bezogen.“

    Poroschenko hatte am heutigen Freitag bei einer Vergabe von Staatsauszeichnungen in Kiew geäußert, dass Wladislaw Surkow, Assistent des russischen Präsidenten Wladimir Putin, persönlich die Todesschützen auf dem Maidan koordiniert habe. Dabei berief sich Poroschenko auf Aussagen ehemaliger Sicherheitskräfte. „Buchstäblich vor wenigen Tagen hat mich die Führung des Sicherheitsdienstes darüber informiert, dass Kämpfer der Alfa (Spezialeinheit des Innenministeriums — Red.) bei einem Verhör angegeben haben, dass der Assistent des russischen Präsidenten Wladislaw Surkow die Organisation von ausländischen Scharfschützengruppen auf dem Maidan geleitet hatte", sagte Poroschenko nach Angaben seines Presseamtes.

    Die ukrainische Opposition hatte im Februar den Staatschef Viktor Janukowitsch gestürzt. Dem Umsturz waren gewaltsame Ausschreitungen auf dem Kiewer Hauptplatz Maidan vorausgegangen, bei denen rund 80 Demonstranten und Ordnungskräfte getötet wurden. Viele wurden von unbekannten Schützen erschossen. Die neue Führung machte die Vorgängerregierung und die mittlerweile aufgelöste Spezialeinheit „Berkut“ dafür verantwortlich. Doch schon zwei Wochen später sprach der estnische Außenminister Urmas Paet in einem abgehörten Telefonat mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton von Hinweisen darauf, dass hinter den Todesschüssen nicht Janukowitsch, sondern jemand von der neuen Koalition gestanden habe. Auch eine Recherche der britische TV- und Rundfunkanstalt BBC hat ergeben, dass die ersten Schüsse auf dem Maidan von Seiten der damaligen Opposition gekommen waren.

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    Tags:
    Maidan, EU, Petro Poroschenko, Wladimir Putin, Alexej Tschesnakow, Catherine Ashton, Wladislaw Surkow, Viktor Janukowitsch, Ukraine, Minsk