12:27 20 November 2019
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    Moldau: zwischen EU und Russland

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    Politik
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    Die Republik Moldau hat vergangenen Sommer ein Assoziierungsabkommen mit der EU geschlossen. Gleichzeitig hat das Land, vor allem die Regionen Transnistrien und Gagausien, enge Beziehungen zu Russland. Dennoch hält es Osteuropa-Experte Daniel Kaddik für unwahrscheinlich, dass Moldau den Weg der Ukraine geht.

    „Die Stimmung im Land ist tatsächlich sehr gespalten“, sagte Kaddik, Projektdirektor für Südosteuropa bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, in einem Sputnik-Interview. Doch wirklich vergleichen ließen sich die beiden Länder nicht. „Moldau hat vier Millionen Einwohner, von denen knapp ein Viertel noch nicht einmal selbst im Land lebt. Hinzu kommt, dass Moldau ein Binnenland ist, eingekeilt zwischen Rumänien und der Ukraine. Außerdem hat das Land wenig Bodenschätze und lebt hauptsächlich von Agrikultur. Und es gibt eine starke Orientierung zu Rumänien. Rumänisch ist die offizielle Staatssprache.“

    Der Einfluss Rumäniens sei sehr stark, weil es dort eine Vielzahl von Kooperationen gäbe. Moldau werde auch im Energiesektor von Rumänien unterstützt, mit dem Ziel, den Einfluss Russlands zu begrenzen, sagte Kaddik weiter.

    Auch wenn es in Transnistrien eine starke russische Identität gibt und die Region durch Russland stark unterstützt wird, gibt es auf der anderen Seite laut Kaddik auch einen starken Handel mit der EU. „Entsprechend halte ich einen Anschluss an Russland für unwahrscheinlich“, sagte der Experte. Dabei räumte er ein, dass „es in der Führungsriege in Tiraspol immer wieder Vorstöße in Richtung einer Vereinigung mit Russland gibt“. Auch einen Beitritt Gagausiens zu Russland hält Kaddik für kaum möglich: „Wenn man sich die Lage Gagausiens anschaut, das wäre dann ein Binnenstaat, quasi eine russische Siedlung in Moldau. (…) Ich halte eher eine generelle Hinwendung Moldaus zu Russland für realistisch, als einzelne Abspaltungen.“

    Die Stimmung in Moldau ist nach Angaben Kaddiks sehr gespalten. „Viele Menschen, knapp die Hälfte, denkt, vielleicht ist es doch besser, wenn wir uns stärker an Russland, als an Europa orientieren.“ „Bei den Wahlen im November hatten die proeuropäischen Kräfte noch knapp gewonnen. Jetzt gibt es nur noch eine Minderheitsregierung, die von den Kommunisten gestützt wird.“ Viele Menschen seien verunsichert. Hier spiele die starke Oligarchisierung von Wirtschaft und Politik eine Rolle.

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    Tags:
    EU, Friedrich-Naumann-Stiftung, Russland, Ukraine, Rumänien, Moldawien, Transnistrien