21:58 14 Dezember 2019
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    Terrorgruppe „Islamischer Staat“

    Kampf gegen IS und Taliban: „Die USA sind ratlos“

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    Es wird Barack Obama nicht gelingen, als Besieger der Dschihadisten-Gruppe „Islamischer Staat“ (IS) in die Geschichte einzugehen. Die Kontakte dieser Gruppe mit den Taliban tragen zu einem neuen „Bogen der Instabilität“ bei. Das sagen russische Experten mit Blick auf Washingtons Pläne, den Truppenabzug aus Afghanistan zu bremsen.

    Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien
    © AP Photo / Raqqa Media Center of the Islamic State group
    „Die Entscheidung, den Afghanistan-Abzug vorübergehend zu unterbrechen, ist eine Notmaßnahme. Sie geht auf die Befürchtungen zurück, dass die zunehmende innenpolitische Krise in Afghanistan zu einem gewissen Zeitpunkt außer Kontrolle gerät und die Taliban dann an die Macht kommen“, sagte Wladimir Sotnikow, Experte des Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Gespräch mit der Tageszeitung „Kommersant“. 

    Dass Obama den Abzug bremsen will, hatte soeben ein Sprecher des Weißen Hauses mitgeteilt. Er erläuterte, die Initiative stamme vom afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Dieser habe die USA um eine „gewisse Flexibilität“ beim Abzug gebeten, hieß es. Die entsprechende Vereinbarung soll beim geplanten USA-Besuch von Ghani im März zustande kommen. Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, die Zahl der US-Soldaten am Hindukusch auf 5.500 zu reduzieren. Derzeit sind 9.800 Soldaten dort präsent.

    Sotnikow kommentierte: „Ein weiterer Faktor, der Obama dazu bewegt, mehr Soldaten als geplant in Afghanistan bleiben zu lassen, ist die zunehmende Interaktion der afghanischen Taliban mit ihren pakistanischen Mitstreitern sowie mit den Kämpfern des ‚Islamischen Staates‘ im Irak und in Syrien. Aus diesem Zusammenschluss resultiert ein Bogen der Instabilität im Nahen Osten und in Zentralasien, der Obama daran hindert, den ersehnten Schlussstrich unter dem Afghanistan-Projekt zu ziehen.“

    Der russische Politik- und Religionsexperte Alexander Ignatenko sagte im Gespräch mit der „Nesawissimaja Gaseta“: „Die Amerikaner sind jetzt ratlos. Obama will als Besieger des ‚Islamischen Staates‘ in die Geschichte eingehen, doch das wird ihm sicher nicht gelingen. Die USA und ihre Verbündeten haben begonnen, mit Bombenangriffen gegen die Dschihadisten-Gruppe zu kämpfen, und sind dabei auf ernste Probleme gestoßen.“

    Ein schweres Problem bestehe etwa darin, dass es faktisch keine internationale Koalition gegen den IS gebe: „Ein Teil der US-Verbündeten lässt sich von ihren eigenen Interessen leiten. Unter ihnen gibt es Länder, die den ‚Islamischen Staat‘ eigentlich geschaffen haben, wie beispielsweise Katar. Manche Staaten ziehen aus diesem Konflikt entweder militärpolitische oder wirtschaftliche Profite, wie etwa die Türkei, denn der ‚Islamische Staat‘ kämpft gegen die Kurden. Manche Verbündete haben auf ihren eigenen Territorien Probleme mit dem ‚Islamischen Staat‘. So ist Ägypten gezwungen, auf der Sinai-Halbinsel gegen die Islamisten zu kämpfen, während der IS Ägypten auch von Libyen aus bedroht.“  

    Ignatenko sagte, die US-Regierung habe den Weg des geringsten Widerstandes eingeschlagen, indem sie auf iranische und irakische Schiiten setze, um gegen die sunnitische Dschihadisten-Gruppe zu kämpfen: „Der gemeinsame Kampf der Amerikaner und der Iraner gegen den ‚Islamischen Staat‘ kann in gewissem Sinne als neue Phase des antisunnitischen Feldzugs aus dem Jahr 2003 betrachtet werden. Dies missfällt natürlich den sunnitischen Monarchien, die der Koalition angehören.“

    Washington berücksichtige außerdem nicht, dass der islamistische Quasistaat auch „Exklaven“ in  Libyen, Nigeria, auf Sinai sowie in Mali habe. Mitglieder der Anti-Terror-Koalition wie beispielsweise Frankreich seien gezwungen, auch diese Länder ins Visier zu nehmen. Die jüngste Erklärung des Pentagons, dass drei Jahre für einen effizienten Kampf gegen den ‚Islamischen Staat‘ nicht ausreichen würden, sei deshalb durchaus gerechtfertigt, so Ignatenko.

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    Terrormiliz Daesh, Terrorismus, Taliban, Alexander Ignatenko, Wladimir Sotnikow, Barack Obama, USA