11:48 24 April 2019
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    Der fruehere Bundesminister fuer besondere Aufgaben, der SPD-Politiker Egon Bahr

    Bahr: Verlorenes Vertrauen zu Russland wiederherstellen

    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Politik
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    Für die Wiederherstellung des Vertrauens zwischen Europa und Russland hat Egon Bahr, einer der wichtigsten Mitgestalter des neuen Kurses der Ostpolitik, plädiert. In seiner Rede anlässlich der Verleihung des Dr. Friedrich Joseph Haass-Preises betonte er auch die Wichtigkeit einer unabhängigen Russland-Politik der EU.

    „Nach Erfüllung der Minsker Abmachungen sollten deutsche Initiativen den Nato-Russland-Rat wieder beleben, um permanente Abstimmungen über Sicherheitsfragen zu gestatten“, sagte er. „Merkel und Hollande haben sich gegen Mehrheiten in den USA und wohl auch in Russland gewendet, die für schärfere Gangarten in der Art des Kalten Krieges sind.“

    Nach seiner Überzeugung handeln die Bundeskanzlerin und der französische Präsident im Geiste der Idee von Russlands Präsident Wladimir Putin, der sich für die Herstellung  eines wirtschaftlich gemeinsamen Raumes zwischen Lissabon und Wladiwostok eingesetzt hatte.

    „Wenn Putin nach dem europäischen Modell Russland und die ehemaligen Staaten der Sowjetunion zu einem Organismus formen will, dann eröffnet sich eine Perspektive des stabilen Friedens für einen Raum zwischen den Ozeanen“, so Bahr.  „Praktische Vorbereitungen, wie aus der Idee ein Programm wird, sollten beginnen, sobald die Ukraine-Krise dauerhaft entschärft ist, vielleicht schon parallel dazu.“

    „Wir sollten uns darauf konzentrieren, zu Russland verlorenes Vertrauern wieder herzustellen“, sagte er.  „Diese Phase könnte man als kooperative Existenz bezeichnen. Dieses über bloße Koexistenz hinausgehende Konzept gestattet den gezielten Ausbau unserer Zusammenarbeit. Das gilt auch für das Thema von Energielieferungen. Sie treffen die Interessen beider Seiten und fördern Stabilität in Europa.“

    Zum Abschluss seiner Rede hob Bahr die Bedeutung der internationalen Feierlichkeiten anlässlich des Kriegsende-Jubiläums hervor und begrüßte Merkels Reise nach Moskau am 10. Mai. „Den 70. Jahrestag des Kriegsendes wird am 9. Mai die Welt in Moskau begehen. Wer die Seele Russlands erreichen will, wird dabei nicht fehlen dürfen. Darum werden Putin und Merkel nach der Vergangenheit am 10. Mai die besondere deutsche und russische Verpflichtung für die Zukunft unterstreichen.“

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    Tags:
    NATO, François Hollande, Angela Merkel, Wladimir Putin, Egon Bahr, USA, Russland