02:34 13 Dezember 2019
SNA Radio
    Anti-Terror-Einsatz in der Ostukraine

    Ein Jahr „Anti-Terror-Einsatz“: Wie Kiew dem Osten den Krieg erklärte

    © REUTERS / Marko Djurica
    Politik
    Zum Kurzlink
    Situation im Donbass (April 2015) (52)
    0 8912
    Abonnieren

    Die Politiker, die die Macht in Kiew usurpierten, haben am 7. April 2014 den Einwohnern der Ostukraine das Recht auf eine eigene Meinung abgesprochen und „Anti-Terror-Maßnahmen“ gegen die dortigen Protestaktionen gestartet. Seit diesem Tag läuft ein bewaffneter Konflikt in der Ukraine.

    Kiew hat seinem eigenen Volk genau vor einem Jahr den Krieg angesagt, den es mit der schönen Wortverbindung „Anti-Terror-Operation“ (ATO) benannte, wie der RIA-Nowosti-Kolumnist Pawel Iwanow schreibt. Es werde gegen „russische Terroristen“ und „pro-russische Separatisten“ gekämpft, hieß es. In Wirklichkeit aber wurde gegen Kinder, ältere Menschen und ehemalige Bergleute gekämpft, die die Waffe in die Hand genommen haben, um ihre Häuser und ihre Familien vor Strafkommandos zu schützen, die jedes menschliche Antlitz verloren haben.

    Vor dem Beginn der Kampfhandlungen hatte Donbass um eines gebeten: die Ukraine in einen normalen föderativen Staat zu verwandeln, um nebeneinander weiter zu leben. Aber die Politikaster in Kiew, die auf dem Kamm der Maidan-Welle an die Macht gekommen waren, entschieden anders, indem sie sich von den Einstellungen ihrer überseeischen Kuratoren und der vom Bazillus des Nationalismus befallenen westukrainischen Wählerschaft leiten ließen. Sie beschlossen, alle Andersdenkenden zu töten, vor allem diejenigen, die sich erdreisteten, Russland als Bruderland zu betrachten. Dieses „Verbrechen“ wird in der „europäischen Ukraine“ mit Tod oder Gefängnis bestraft. Die Anti-Terror-Operation wurde vom damaligen amtierenden Präsidenten und Parlamentschef (Alexander) Turtschinow angekündigt, der wegen seiner langjährigen Zugehörigkeit zu einem nichttraditionellen Abzweig des Christentums den Rufnahmen „Pastor“ bekommen hat.

    Bei dem einjährigen Einsatz der Armee, der Nationalgarde und zahlreicher Freiwilligenbataillone, die sich aus notorischen Neonazis und Schergen zusammensetzten, war Donbass grauenhaften Prüfungen ausgesetzt. Viele Tausend Menschen wurden getötet  (Laut deutschen Sicherheitskreisen dürfte es bis zu 50.000 Tote geben, was sich gar nicht phantastisch ausnimmt.), Städte und Dörfer liegen in Ruinen, die Infrastruktur der Region ist zerstört. Am Schlimmsten ist aber, dass sich zwischen den im Osten lebenden Menschen einerseits und denen in Kiew und im Westen des Landes eine geistige, politische und ideologische Kluft gebildet hat, die die heutige Generation kaum noch bewältigen wird.

    Die einen meinen, das Sankt-Georgs-Band sei ein Symbol des Sieges über den Nazismus. Und sie würden so denken, selbst wenn man ihnen eine Maschinenpistole an den Kopf hielte. Andere sprechen über ihre nationale Ausschließlichkeit und ihren Hass gegen Russland und gegen unsere gemeinsame Geschichte. Freilich können diese Menschen keine Argumente anführen: Denn wodurch hat sich die große ukrainische Nation eigentlich in der Weltgeschichte bekannt gemacht und was hat sie Besonderes für die Menschheit getan? Sie hat keine ukrainischen Lomonossows und keine eigenen Shakespeares vorzuweisen. Und dieser urplötzliche Größenwahn, der offenbar mit einem gewissen Minderwertigkeitsbewusstsein vermengt ist, wird durch eine harte und vom Standpunkt der normalen Menschen unerklärbare Gewalt ausgeglichen.

    Zerstörungen nach dem Bürgerkrieg in der Ostukraine
    © Sputnik / Mikhail Voskresenskij
    Donbass wurde mit Waffen aller Art angegriffen, wobei international verbotene Munition zum Einsatz kam. Zivilisten wurden nur aus dem Grund erschossen, weil sie der Sympathie für die Idee der Föderalisierung  verdächtigt wurden. Wie einheimische ältere Menschen sagen, die sich monatelang in Kellerräumen versteckt hielten, haben sogar die Hitlerleute  keine derartigen Gräueltaten verübt. Aber die Kiewer Propaganda suggeriert der übrigen Ukraine weiter, dass ein heiliger Kampf um die Eigenständigkeit geführt werde und eine neue nationale Identität im Entstehen begriffen sei. Dieser Weg hat das Land schon in eine Sackgasse, an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds und des endgültigen Zerfalls geführt. Der Krieg im Donbass hat gezeigt, dass das „Einheitliche Land“, wie es seine Ideologen nennen, in Wirklichkeit keineswegs einheitlich ist. Das ist ein buntscheckiger Staat, ein künstlich gebildetes Projekt, das nur durch eine weise und abgewogene Politik zementiert werden kann. Und der Maidan hat jede Abgewogenheit ausgeschlossen und den Extremismus gutgeheißen.

    Nun gibt es zwei Wege. Entweder werden Personen wie Turtschinow die Ukraine endgültig in eine große Sekte verwandeln, die nichts außer Predigten ihrer Jammerpastoren braucht. Leider ist das bereits durch das Zombifizieren im Fernsehen zum Teil gelungen. Oder die Ukrainer werden endlich begreifen, wo ihr wirklicher Feind sitzt. Und dass wahre Souveränität und Unabhängigkeit keinen Hass gegen Russland und keine blinde Verehrung des Westens, sondern etwas anderes, komplizierteres und konstruktives bedeutet. In einem solchen Fall wird es auf dem Territorium der Ukraine keine Anti-Terror-Operationen mehr geben und die Türen hoher Amtssitze in Kiew werden vor Bandera-Leuten, schlauen Oligarchen und festangestellten Mitarbeitern westlicher Geheimdienste verschlossen bleiben.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Situation im Donbass (April 2015) (52)

    Zum Thema:

    Petition gestartet: „Steimles Welt ist unsere Heimat und soll es auch bleiben“
    „Der Dieb schreit?“ US-Senat will Russland zum „Sponsor des Terrorismus“ erklären – Moskau reagiert
    Schweizer Bankmanager: Deutschland wird zum „neuen Detroit“
    US-Sanktionen gegen Nord Stream 2: Gegenmaßnahmen sind gerechtfertigt – Ifo-Chef
    Tags:
    Propaganda, Nationalsozialismus (Nazismus), Maidan, Nationalgarde (Ukraine), Alexander Turtschinow, Donbass, Ukraine