16:18 21 April 2019
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    USA planen Internet-Feldzug gegen „revanchistisches Russland“

    USA planen Internet-Feldzug gegen „revanchistisches Russland“

    © Flickr / Reid Rosenberg
    Politik
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    Die US-Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge einen neuen Vorstoß gegen die „Lügen des Kreml“ starten. Für diese Zwecke sollen US-finanzierte Medien ihre Aktivitäten im Web ausbauen und soziale Netzwerke in Russland stärker ins Visier nehmen. Russische Experten kommentieren den Plan.

    Die US-Regierungsorganisation Broadcasting Board of Governors (BBG) will im kommenden Finanzjahr 15,6 Millionen US-Dollar eigens für den „Widerstand gegen das revanchistische Russland“ im Medienbereich erhalten. Die russische Tageszeitung „Iswestija“ zitiert am Dienstag aus dem entsprechenden Antrag.

    Russland habe einen „weltweiten Mechanismus der Desinformation“ gestartet, um „Unruhe durch Verschwörungstheorien zu stiften und Lügen zu verbreiten“. Der Kreml missbrauche die Freiheit des Wortes, um die Menschen zu „verwirren“ und zu „demoralisieren“, so die  BBG. Die US-Organisation behauptet, die Demokratie in Russland sei in Gefahr: „Die internationalen US-Medien sind eine Triebkraft im Kampf gegen den Informations-Druck der russischen Regierung.“

    Die BBG vereinigt mehrere Medien, die aus dem US-Haushalt finanziert werden. Dazu zählen auch Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) und Voice of America. Diese produzieren keine Rundfunksendungen für Russland mehr und sprechen stattdessen vorwiegend russische Internetnutzer an.

    Nun will die BBG ihre Aktivitäten im Web ausbauen. Unter anderem soll das russische soziale Netzwerk ok.ru, dessen Nutzer oft die offizielle Haltung des Kreml begrüßen, ins Visier genommen werden. Das RFE/RL schreibt bereits Stellen für das neue Medien-Projekt DIGIM aus. Dieses Team soll unter verschiedenen Markenzeichen Inhalte für soziale Netzwerke liefern und Themen für prowestliche Journalisten suchen. Geplant ist etwa das Videoprojekt „Footage vs Footage“, um die „russische TV-Propaganda zu überführen“, aber auch ein YouTube-Kanal und eine digitale Plattform für jene russischen Journalisten und Filmemacher, deren Arbeit derzeit „vom Kreml blockiert wird“.

    Voice of America und RFE/RL wollen außerdem mehr gemeinsame Programme mit regierungskritischen russischen Fernsehsendern produzieren. Regionalen Sendern in Russland sollen Dokumentarfilme, analytische Talkshows und Satire-Programme für die Ausstrahlung angeboten werden.

    Russische Experten kommentierten für „Iswestija“ diese Pläne. Pawel Salin, Chef des Zentrums für Politik-Studien an der Finanzuniversität bei der russischen Regierung, sagte: „Generell wollen die US-Medien die Spitzenreiter der öffentlichen Meinung, die Intellektuellen, ansprechen, damit diese Menschen dann die kritischen Ansichten an die breite Masse weiter vermitteln.“

    Juri Roguljow, Chef der russischen Roosevelt-Stiftung für USA-Studien, kommentierte: „Die USA halten einen alternativen und nicht ideologisch ausgerichteten Standpunkt irrtümlich für Propaganda. Von seinem Format her unterscheidet sich etwa der russische Auslandssender RT von der sowjetischen Propaganda. Er setzt nicht auf Ideologie, sondern darauf, einen Standpunkt zu popularisieren und bestimmte Ansichten zu verbreiten. Voice of America hat zuvor dasselbe getan. Derzeit sind Sender wie die Deutsche Welle und Radio Liberty deutlich im Rückstand im Vergleich zu RT, deshalb brauchen sie dringend neue Leser und Zuschauer. Darauf geht das neue US-Projekt zurück.“

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    Tags:
    Propaganda, Medien-Projekt DIGIM, Voice of America, Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL), Broadcasting Board of Governors (BBG), Juri Roguljow, Pawel Salin, USA, Russland