20:20 20 Juli 2018
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    Der Handel zwischen Russland und Amerika hat trotz der Sanktionen zugenommen

    Sanktionen gegen Russland: „Wir können wie eine Sprungfeder zurückschlagen“

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    Der Handel zwischen Russland und Amerika hat trotz der Sanktionen zugenommen. Wo die USA Schäden für sich befürchten, machen sie Ausnahmen. Das sagte Alexander Stadnik, Russlands Handelsvertreter in den USA, im Interview mit Ria Novosti. Aus seiner Sicht schaden die US-Sanktionen eher Europa und sind Teil einer Neuaufteilung des Weltmarktes.

    „Seltsamerweise haben die Restriktionen das Gegenteil bewirkt. Trotz der Sanktionen stieg der russisch-amerikanische Handelsumsatz im Jahr 2014 nach Angaben der russischen Zollbehörde um 5,6 Prozent auf 29,2 Milliarden Dollar. Der US-Export nach Russland nahm dabei auf 18,5 Milliarden Dollar zu. Vor allem betrifft das Maschinen, Ausrüstungen und Luftfahrttechnik wie Boeing-Flugzeuge im Sinne der zuvor geschlossenen Verträge mit der Fluglinie Aeroflot und mit der russischen Staatsholding Rostec. Russland und die USA erfüllen ihre entsprechenden Verpflichtungen, es gibt aber auch neue Verträge“, sagte Stadnik.

    Der russische Export in die USA sei um 4,1 Prozent zurückgegangen. Dies gehe vor allem auf den Ölpreis-Verfall zurück. Russlands Anteil am gesamten US-Handel habe im vergangenen Jahr 0,9 Prozent betragen. Bei den russischen Exporten in die USA handle es sich zu 59 Prozent um Öl und Ölprodukte, zu 25 Prozent um Metalle und Metallerzeugnisse und zu neun Prozent um Produkte der Chemieindustrie, hieß es.

    In Russland seien viele Unternehmen im Energie- und Finanzsektor von den Sanktionen betroffen, aber auch solche, deren Waren nach Ansicht der Amerikaner in der russischen Rüstungsbranche Anwendung finden. Schädlicher als die eigentlichen Sanktionen seien aber andere US-Hürden für russische Exporteure – wie etwa die „absolut nicht marktwirtschaftlichen“ Schutzzölle gegen die russische Stahlindustrie. Noch vor der Ukraine-Krise seien manche russische Firmen (darunter auch im High-Tech-Bereich) auf der US-Restriktionsliste gelandet, so Stadnik weiter.

    Er behauptete: „Die Haltung der meisten US-Geschäftsleute zu den Sanktionen, die von der Regierung in Washington beschlossen wurden, ist negativ. Die Meinungen, die sowohl publik als auch am Rande verschiedener Konferenzen geäußert wurden, sind meisten wie folgt: Die Sanktionen sind illegitim und beeinträchtigen nicht nur das russisch-amerikanische Verhältnis im Wirtschaftsbereich, sondern auch die allgemeine Entwicklung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen auf globaler Ebene. Selbst diejenigen in den USA, die als ‚russlandfeindlich‘ eingestuft werden könnten, begreifen, dass man sich mit Russland verständigen sollte. Es ist ja seit 50 Jahren nicht einmal gelungen, Kuba zu ‚erwürgen‘, von Russland ganz zu schweigen. Wenn man uns beharrlich unter Druck setzt, können wir wie eine Sprungfeder umso stärker zurückschlagen.“

    Stadnik kommentierte die Auswirkungen der Sanktionen für Europa und die Welt: „Eigentlich beobachten wir eine Neuaufteilung des Weltmarktes, wobei sich ein neues Modell der Beziehungen unter den Großmächten herausbildet. Bei genauer Betrachtung schaden die Sanktionen am meisten nicht den Amerikanern, sondern den Europäern. Die USA verhalten sich pragmatisch, alles ist durchkalkuliert. Wo sie sich wegen der Sanktionen unwohl fühlen (wie etwa in Sachen Titan und Raketentriebwerke), machen sie Ausnahmen. Zwar haben die russischen Gegensanktionen manchen US-amerikanischen Nahrungsmittel-Herstellern (vor allem Geflügel-Lieferanten) geschadet, doch Europa ist mehr zu Schaden gekommen.“

    Laut Stadnik will sich Russland von Amerika nicht abschotten: „Wir schauen sowohl nach Osten als auch nach Westen. Generell kann man sich entweder zanken oder sich versöhnen, doch wir sitzen alle in einem Boot. Man sollte das Boot nicht zum Schaukeln bringen. Man muss sich verständigen und die gegenseitigen Interessen berücksichtigen. Beim US-Vorgehen ist das leider äußerst selten zu beobachten. Unsere Beziehungen im Handels- und Wirtschaftsbereich sind derzeit unbefriedigend. Sie entsprechen nicht den Interessen der russischen und der US-Geschäftsleute.“

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    Export, Sanktionen, Erdöl, USA, Russland
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