18:34 29 Januar 2020
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    Für die Einberufung einer neuen Helsinki-Konferenz hat der Linke-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gehrcke aufgerufen. Für eine solche Konferenz spricht, dass es heute zwar andere Akteure in Europa gibt, die Probleme aber vergleichbar sind.

    Die Lehren aus der Schlussakte von Helsinki, die sich in diesem Jahr zum 40. Mal jährt, sieht Wolfgang Gehrcke darin, dass diese Konferenz auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges stattfand. „Es ist eine große Leistung der Verantwortlichen von damals, die sich gesagt haben: Gerade weil es so ist, müssen wir miteinander reden. Es gibt keine andere Chance, vernünftig diese  Dingen zu regeln“, sagte er in einem Interview mit Nikolaj Jolkin. 

    Der linke Bundestagsabgeordnete fügte hinzu, dass er ein souveränes Europa möchte, zwar kein antiamerikanisches, sondern ein Europa, das seine eigenen Interessen verficht. „Leider haben wir in Europa derzeit einen kriegerischen Frieden“, so Gehrcke. „Europa ist hoch bewaffnet. Die NATO steht an der russischen Westgrenze. Die Allianz wird in diesem Jahr mit 35.000 beteiligten Soldaten die größten Manöver seit ihrem Bestehen durchführen, darunter auch im Baltikum. Wie soll Russland das denn verstehen, wenn nicht als eine Bedrohung? Man muss aus diesem kriegerischen Gegeneinander rauskommen.“

    Gehrcke kritisierte auch die Weigerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, am 9. Mai zur Siegesparade auf dem Roten Platz nach Moskau zu kommen. „Sie weiß schon, dass man am 9. Mai nach Moskau hätte kommen müssen, aber sie wollte  nicht schroff absagen, deswegen hat sie dem russischen Präsidenten angeboten:,Ich komme am nächsten Tag, und wir gehen zum Grabmal des unbekannten Soldaten und legen dort einen Kranz nieder‘“, so Gehrcke.

    Wolfgang Gehrke, Außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, im Interview mit Nikolaj Jolkin
    © Sputnik /
    Wolfgang Gehrke, Außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, im Interview mit Nikolaj Jolkin

    „Ich bin froh, dass sie überhaupt kommt, und bin sauer, dass es nicht am Tag des Sieges passiert. Das ist eine vergebene Chance, auf dem Roten Platz nicht dabei zu sein. Bei diesem Datum, mit diesem historischen Hintergrund, hätte sie es ganz clever machen können. Wenn sie gesagt hätte, dass sie dorthin fährt, hätten alle westlichen Spitzenpolitiker nicht „Nein“ sagen können.“

    „Es gibt eben auch ein besonderes deutsch-russisches Verhältnis“, betonte der Linke-Politiker. „Es war der deutsche Krieg und der sowjetische Sieg über den deutschen Faschismus. Da hat man eine besondere Verpflichtung, und diese muss man ernst nehmen. Ich glaube, dass Merkel dem amerikanischen Präsidenten hätte sagen können:,Es wäre gut, wenn wir ein Treffen der vier Alliierten und Deutschlands machen würden. Und Deutschland wird sich mit allen Alliierten ehrend auseinander setzen. Es waren 27 Millionen sowjetischer Bürger, die in dem damaligen Krieg ermordet worden sind. Da würde etwas Demut  Deutschland ganz gut zu Gesicht stehen. Merkel hätte das Obama erklären können, und vielleicht hätte er das sogar verstanden. Doch dazu braucht es ein bisschen Kreuz und Souveränität. Wenn man immer sofort einknickt, wenn die Amerikaner sauer sind, dann geht man ewig in gebückter Haltung durch die Gegend.“

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, 70. Jahrestag des Sieges, Die LINKE-Partei, NATO, Wolfgang Gehrcke, Angela Merkel, Deutschland, Russland