07:31 24 September 2018
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    Archivbild vom im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kiew

    Erinnerungskultur auf Kiewer Art: Lässt sich Geschichte per Dekret umändern?

    © Sputnik / Yakov Davidzon
    Politik
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    Die Erinnerungskultur kann nach Ansicht von Dr. Jörg Morrè, Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, kaum durch Parlamentsbeschlüsse gelenkt werden.

    Zum Beschluss des Parlaments in Kiew, den bisherigen Tag des Sieges am 9. Mai abzuschaffen und stattdessen einen Erinnerungstag am 8. Mai zu begehen, sagte der Experte: „Das kann man natürlich politisch wollen, selbstverständlich, aber ob es funktioniert, werden wir erst im nächsten Jahr wissen. Im Augenblick nehme ich das so zur Kenntnis und halte es für einen verzweifelten Versuch, der vielleicht tagespolitisch bestimmt ist.“

    „Das tun andere Länder auch, die meinen, per Dekret bestimmte Dinge verbieten zu können, andere Dinge damit zulassen zu können“, so der Berliner Historiker im Gespräch mit Nikolaj Jolkin. „Aus meiner Sicht sind es immer untaugliche Versuche, eine kulturhistorische Entwicklung zu lenken.“

    Zu der Verherrlichung der Bandera-Leute, die in der West-Ukraine zusammen mit dem Hitler-Regime gegen die Sowjetunion gekämpft haben, hat Dr. Jörg Morrè folgende Meinung:

    „In Deutschland haben wir vor zehn Jahren angefangen, uns wissenschaftlich für solche Kollaborationen zu interessieren. Für uns Deutsche ist es schwierig, anderen Ländern von außen Vorhaltungen zu machen. Solche Kollaborationen hat es gegeben und auch mit den Nazis. Ich finde, dass man das auch deutlich benennen sollte. Das Gegenargument aus diesen Ländern ist häufig, dass es um die nationale Unabhängigkeit gegangen sei. Da wir eine Besatzungsmacht dort waren, können wir schlecht dagegenhalten. Dieser Freiheitsgedanke richtet sich vor allen Dingen gegen die sowjetische Macht, und die nächste Volte ist, dass alles Sowjetische jetzt als Russisch bezeichnet wird. Da ist ganz viel Aufarbeitung notwendig. Und Russland könnte viel Hilfe leisten, indem schlicht und ergreifend die russischen Archive geöffnet werden. Dann könnte man vielen Legenden das Wasser abgraben.“ 

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    Tags:
    Nationalsozialismus (Nazismus), 70. Jahrestag des Sieges, Jörg Morrè, Adolf Hitler, Kiew, Russland, Ukraine