22:17 19 November 2019
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    Kampf für ein „Großalbanien“? Experten uneins über Motive der Kumanovo-Terroristen

    © REUTERS / Marko Djurica
    Politik
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    Nach den blutigen Terror-Angriffen hat die ehemalige jugoslawische Teilrepublik Mazedonien die Nationaltrauer ausgerufen. Die Angreifer, die am Wochenende Kumanovo attackierten, hatten keine Forderungen gestellt. Was wollten sie erreichen? Serbische Experten vermuten, dass die Stadt mit rund 70.000 Einwohnern nicht das Endziel der Terroristen war.

    Professor Zoran Dragisic von der Belgrader Universität mutmaßte in einem Sputnik-Interview, dass nicht Kumanovo die Endstation der Terroristen gewesen sei. Die Angreifer hätten offenbar Anschläge in ganz Mazedonien geplant, konnten jedoch in Kumanovo gestoppt werden. 

    Der serbische Politikwissenschaftler Dusan Prorokovic vermutete, dass die USA als Drahtzieher hinter den Angriffen stünden, um so den Bau der russischen Gaspipeline Turkish Stream zu vereiteln. Mazedonien sei nämlich das schwächste Glied der zukünftigen Pipelineroute. „Man nutzt die Albaner aus, um Turkish Stream zu verhindern“, sagte Prorokovic zu Sputnik. Mit der Entfachung eines neuen Konfliktes wollen die USA, so der Experte, Europa unter Druck setzen.Petar Cvetkovic, Chef der serbischen Agentur für Militärsicherheit, teilte im Fernsehen mit, dass seine Behörde bereits im April die mazedonischen Kollegen vor den geplanten Anschlägen gewarnt habe. Cvetkovic sieht Anhänger eines „Großalbaniens“ hinter der Tat. Der mazedonische Ex-Geheimdienstchef Vladimir Pivovarov verwies darauf, dass die Terroristen keine Forderungen gestellt hatten. „Es scheint, als hätte der Angriff keinen Zweck gehabt.“

    Prorokovic nannte es merkwürdig, dass die westlichen Geheimdienste zu spät auf die Ereignisse vom 9. Mai in Kumanovo reagiert hätten. „Das spricht dafür, dass das Geschehene in ihrem Interesse lag.“ Für den Experten ist es „unvorstellbar, dass 70 bis 80 Bewaffnete ohne Wissen der Geheimdienste die Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien übertreten und eine Stadt angreifen“.

    Bei den 30 Stunden langen Kämpfen zwischen den Sicherheitskräften und Terroristen waren in Kumanovo am Wochenende acht Polizisten und 14 Angreifer getötet worden. Angaben zu zivilen Opfern liegen nicht vor. Nach Erkenntnissen des mazedonischen Innenministeriums waren Anfang Mai bis zu 40 Bewaffnete nach Mazedonien eingedrungen. Auf das Konto der Terrorgruppe geht auch der Überfall auf den Militärposten Goshnice.

    Das Gros der verhafteten Angreifer sind Albaner aus dem nicht anerkannten Kosovo. Viele haben offenbar Verbindungen zu der terroristischen Kosovo-Befreiungsarmee. Laut Medien gehörten unter anderem Leibwächter des kosovarischen Warlords und Politikers Ramush Haradinaj zu der Terrorgruppe. Haradinaj war wegen Massenmorden an der serbischen Bevölkerung im Kosovo zweimal vor das Kriegsverbrechentribunal in Den Haag gestellt worden, wurde aber beide Male freigesprochen.

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    Tags:
    Terrorakt, Terrorismus, Türkischer Strom, Ramush Haradinaj, Dusan Prorokovic, Petar Cvetkovic, Zoran Dragisic, USA, Kumanovo, Mazedonien