15:10 22 August 2017
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    Erklären die USA Gazprom in Europa den Krieg?

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    Politik
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    „Freier Markt“ und „faire Konkurrenz“ der Rohstofflieferanten sind nichts als leere Worte. Die USA nutzen offen ihre politischen Hebel, um Gazprom aus Europa zu drängen - und wundern sich, wenn sich die Europäer das nicht gefallen lassen.

    In Washington macht man kein Hehl aus der Absicht, Gazprom den europäischen Absatzmarkt wegzunehmen, und zwar durch politischen Druck auf seine Abnehmer. So tritt das Weiße Haus offen gegen den Bau der „Turkish Stream“-Pipeline auf. Das teilte der griechische Strukturreform-Minister Panagiotis Lafazanis vor kurzem mit. Nach seinen Worten hatte der Energiebeauftragte des US-Außenministeriums, Amos Hochstein, bei einem Treffen direkt gesagt, die Amerikaner lassen sich das „Turkish Stream“-Projekt nicht gefallen.

    Die Amerikaner begnügen sich offenbar nicht damit, dass sie Bulgarien gezwungen haben, auf die South-Stream-Pipeline zu verzichten. Damals musste Gazprom nach Alternativen suchen und hatte dabei Erfolg. Der Gasriese wird  jetzt via Türkei eine Leitung nach Europa bauen. Dafür hat sich neben anderen südeuropäischen Ländern auch Griechenland ausgesprochen, wo der größte Gashub für die EU liegen wird.

    Dieses Vorhaben verärgerte anscheinend das Weiße Haus, und man bot den Griechen eine Alternative an: Sie sollten sich am so genannten „Südlichen Gaskorridor“ aus dem Kaukasus durch die Türkei nach Europa beteiligen. Dieses Projekt wurde schon vor langer Zeit geplant, doch seine Umsetzung ist ins Stocken geraten. Die Amerikaner gaben den Griechen zu verstehen: Falls sie daran teilnehmen, haben sie bessere Chancen, ihre Krise zu überwinden und westliche Investoren zu finden. Washington „vergaß“ allerdings, zu ergänzen, dass diese Perspektiven eher ungewiss sind. Denn die Gasmenge, die Aserbaidschan in die Pipeline pumpen könnte, ist ziemlich gering. Wo das übrige Gas herkommen soll, bleibt unklar. Mit anderen Worten:  Es geht um ein rein politisches Projekt, dessen wichtigste Aufgabe darin besteht, Gazprom von Europa fernzuhalten. Um die Wirtschaft geht es dabei kaum.

    Am Ende ist Washington mit seinem Versuch, die neue griechische Regierung unter Druck zu setzen, gescheitert. Nach dem Treffen mit dem US-Gesandten bestätigte Lafazanis abermals die Bereitschaft seines Landes, den Gastransit aus Russland in die EU zu sichern. Das hatte sofortige Konsequenzen: Präsident Barack Obama zog seinen Botschafter in Athen wegen ineffizienter Arbeit ab.

    Das Weiße Haus versucht allerdings, alle Länder zu beeinflussen, die mit Gazprom eng kooperieren. So verriet der slowakische Premier Robert Fico, dass sein Land unter Druck gesetzt worden sei, um die Gaslieferungen aus dem Westen in den Osten, und zwar in die Ukraine umzuleiten. Bratislava wurde also auch bedrängt, seine eigenen Wirtschaftsinteressen zugunsten fremder politischer Interessen aufzugeben. Aber an dieser Front haben die Amerikaner vorerst den Kürzeren gezogen. Dafür gibt es nur einen, aber sehr vernünftigen Grund: Politik ist wichtig, aber niemand will Washington zuliebe im Winter frieren.

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    Tags:
    South Stream, EU, Gazprom, Robert Fico, USA, Washington, Russland, Türkei
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