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14:00 16 Oktober 2019
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    Polens Innenminister Bartlomiej Sienkiewicz

    Polen: Ex-Minister hinter Brandanschlag auf russische Botschaft?

    © AFP 2019 / Janek Skarzynski
    Politik
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    Die polnische Wochenzeitung „Do Rzeczy“ behauptet im Artikel „Tajemnica spalonej budki“(„Das Geheimnis der ausgebrannten Bude“), dass hinter dem Brandanschlag auf das Wachhäuschen der russischen Botschaft in Warschau während eines Unabhängigkeitsmarsches am 11. November 2013 Polens Innenminister Bartlomiej Sienkiewicz persönlich gestanden hätte.

    Artikel mit schweren Vorwürfen

    Den am Montag veröffentlichten Artikel hat Cezary Gmyz geschrieben. In dem Artikel wird ein geheim aufgenommener Audiomitschnitt eines Gesprächs des Leiters des Zentralen Anti-Korruptions-Büros, Pawel Wojtunik, mit der damaligen stellvertretenden Ministerpräsidentin Elzbieta Bienkowska am 5. Juni 2014 in einem Warschauer Restaurant entschlüsselt. Die beiden sprachen dabei über die Arbeitsmethoden von Sienkiewicz, unter anderem darüber, wie er die Agentur für innere Sicherheit (ABW), wie auch andere Geheimdienste, „per Telefon“ leitet.

    „Siehst du, er hat es ihnen beigebracht, so dass er sie jetzt anrufen und ihnen etwas befehlen kann. So sind sie gegangen und haben die Bude vor der Botschaft in Brand gesetzt, denn der Minister hatte sich persönlich einfallen lassen, die Idee dieser….“, so Wojtunik. „Dieser Konzeption“, ergänzt Bienkowska. „Ein solches Regieren per Hand bringt aber nur Ärger, besonders wenn es um einen Minister geht, der keine solchen Vollmachten hat“, fügte Wojtunik hinzu.

    Der Autor des Artikels schlussfolgert, dass der polnische Innenminister den Brandanschlag vor der russischen Botschaft in Warschau angeordnet haben könnte. Sienkiewicz nannte diese Vorwürfe „unsinnig und absurd“. „Ich glaube nicht, dass irgendein Beamter einen solchen Unsinn wiederholen könnte“, so der ehemalige Innenminister.

    Onet.pl, die führende Nachrichtenwebsite Polens, schrieb dazu, „ein großer internationaler Skandal könnte ausbrechen, falls die Informationen über die Provokation der polnischen Geheimdienste sich bestätigen sollten.“

    Bartlomiej Sienkiewicz ist ein polnischer Politiker und Publizist, Gründer des Zentrums für orientalische Forschungen. 2013 und 2014 war er Innenminister und Berater der Geheimdienste. Jetzt leitet er das Instytut Obywatelski (Bürgerinstitut), die Denkfabrik der Regierungspartei „Bürgerplattform“.

    Elzbieta Bienkowska war stellvertretende Ministerpräsidentin im Kabinett von Donald Tusk. Jetzt ist sie EU-Kommissarin.

    Überfall auf russische Botschaft in Warschau

    Am 11. November 2013 marschierten polnische Nationalisten und Rechtsradikale an der russischen Botschaft vorbei. Dabei wurde das Wachhäuschen vor dem Eingang der Botschaft in Brand gesetzt. Das Gebäude der Botschaft wurde mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen. Zuvor hatten die Teilnehmer der Aktion Auseinandersetzungen im Zentrum Warschaus provoziert, eine Installation in Regenbogenform sowie mehrere Fahrzeuge angezündet.

    Der russischen Botschaft in Warschau wurde dadurch ein Schaden in Höhe von 11 000 Dollar zugefügt, wie die damalige Sprecherin der russischen diplomatischen Vertretung, Valeria Perschinskaja, mitteilte.

    Der Schaden entfiel großenteils auf das Automatiktor der Botschaft. Zudem wurden drei Fahrzeuge russischer Diplomaten beschädigt. Wegen des Rauchs beim Brand im Wachhäuschen wurde ein Teil des Zauns schwarz und musste neu gestrichen werden.

    Das russische Außenministerium forderte damals von der polnischen Seite eine Entschuldigung samt Entschädigung und der Bestrafung der Schuldigen.

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    Tags:
    Skandal, Botschaft, Wochenzeitung Do Rzeczy, Agentur für innere Sicherheit (ABW), Elzbieta Bienkowska, Pawel Wojtunik, Bartlomiej Sienkiewicz, Cezary Gmyz, Russland, Polen