18:45 05 Dezember 2019
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    Kooperation zwischen Russland und Japan

    Tokio hofft auf Putins Besuch: Japan will Russland von China fortzerren

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    Die Regierung in Tokio will mit dem Kreml über einen Friedensvertrag weiter verhandeln. Die Frage ist nun, ob der zuvor geplatzte Japan-Besuch Wladimir Putins doch noch stattfindet. Trotz des US-Drucks will die japanische Führung ihre Beziehungen mit Russland verbessern, um dessen Annäherung mit China zu verhindern.

    Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe hat Russland als „wichtigen Nachbarn“ bezeichnet und für weitere Verhandlungen über einen Friedensvertrag plädiert. „Ich schlage vor, die Verhandlungen durch Dialog unermüdlich fortzusetzen und gleichzeitig die Zusammenarbeit im Wirtschafts-, Energie- Sicherheits-, Kultur- und Sportbereich zu intensivieren (…) Die gutnachbarlichen Beziehungen mit Russland sind von riesiger Bedeutung für die Stabilität und Prosperität Ostasiens im 21. Jahrhundert“, betonte Abe in seiner Grußadresse an das 3. Russisch-Japanische Forum in Tokio, wie die „Rossijskaja Gaseta“ am Donnerstag in ihrer Onlineausgabe berichtete.

    Vor diesem Hintergrund nehmen offenbar die Chancen zu, dass Wladimir Putin doch zu Gesprächen nach Japan kommt. Die „Nesawissimaja Gaseta“ zitierte am Donnerstag einen Sprecher der japanischen Botschaft in Moskau mit den Worten: „Wir streben danach, dass der Besuch zu einem passenden Zeitpunkt im laufenden Jahr stattfindet. Die Entscheidung über einen konkreten Termin ist noch nicht gefallen (…) Jedenfalls will die japanische Regierung weiter verhandeln, um einen Friedensvertrag zu schließen und die Frage nach der Zugehörigkeit der vier nördlichen Inseln endgültig zu klären.“

    Gemeint sind die Kurilen. Das ist der wichtigste Stein des Anstoßes zwischen Russland und Japan. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Inselkette sowjetisches Territorium. Seitdem fordert Tokio die Rückgabe. Der Streit überschattet die Beziehungen: Zwischen den beiden Staaten gibt es bisher keinen Friedensvertrag. 

    Russlands Präsident Wladimir Putin
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    Walerij Kistanow, Leiter der Japan-Studien am russischen Fernost-Institut, kommentierte für die „Nesawissimaja Gaseta“: „Warum setzen die Japaner Hoffnungen in Putin? Nach seiner Wiederwahl als russischer Präsident sagte er im Jahr 2012, man müsse einen Kompromiss im Gebietsstreit suchen. Diese Erklärung stand im Widerspruch zur Position von Putins Vorgänger Dmitri Medwedew, der während seiner Amtszeit die Insel Kunaschir besucht hatte. Jener Besuch stieß auf Empörung in Japan. Medwedew wollte keinen Fußbreit nachgeben.“

    Im Herbst 2014 wollte Putin Japan besuchen, doch angesichts der Ukraine-Krise wurde der Besuch abgesagt. Seitdem gab es widersprüchliche Signale aus Tokio. Nach Informationen der japanischen Zeitung „Yomiuri Shimbun“ gab US-Präsident Barack Obama bei seinem Treffen mit Abe im April 2015 zu verstehen, Japan müsse mit den USA darüber beraten, ob es zweckmäßig wäre, Putin nach Japan einzuladen. Der japanische Regierungschef antwortete, Japan unterstütze zwar die G7-Position zur Ukraine, halte aber auch seine Beziehungen mit China und Russland für wichtig, damit deren Konfrontation mit Japan und den USA nicht unnötig zunehme. 

    Kistanow kommentierte weiter: „Warum wurde Putins Besuch ausgerechnet jetzt wieder ein Thema? Wahrscheinlich will Japan seine Beziehungen mit Russland nicht verderben. Zumal Japans Beziehungen mit weiteren Nachbarstaaten wie China, Süd- und Nordkorea kompliziert sind. Und mit Putin lässt sich reden. Zweitens ist Abe besorgt über Putins Annäherung mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping. In Japan bezeichnet man dies als Quasi-Union. Offenbar wollen die Japaner Russland von China ein bisschen fortzerren. Vor dem Hintergrund des US-Drucks auf Japan bin ich nicht hundertprozentig sicher, dass Putins Besuch stattfindet. Hoffentlich findet er aber doch statt.“

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    G7, Barack Obama, Wladimir Putin, Shinzo Abe, USA, Ukraine, Nordkorea, Südkorea, Kurilen, China, Japan, Russland