19:29 15 Juli 2020
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    Auf der schwedischen Insel Gotland ist Panik ausgebrochen. Laut Militärexperten müssten 5000 Soldaten auf die Insel geschickt werden – also fast ein Drittel des schwedischen Heeres.

    Gotland ist die größte schwedische Insel in der Ostsee, die auf halbem Wege zwischen Schweden und Lettland liegt. Sie ist 175 Kilometer lang und bis zu 50 Kilometer breit.

    Im März hatte der schwedische Verteidigungsminister Peter Hultqvist verkündet, dass die 2005 abgezogenen Einheiten wieder auf der Insel stationiert werden sollen. Auf der Insel soll ein kleines Kontingent von 150 Soldaten stationiert werden. Die Wiederaufrüstung Gotlands ist Teil eines neuen Plans der linken schwedischen Regierung. Sie will in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 6,2 Milliarden schwedische Kronen (717 Millionen US-Dollar) für die Verteidigung ausgeben.

    Doch diese Initiative geht nicht von den Militärs, sondern von lokalen Politikern aus.

    Der schwedische TV-Sender Nyheterna berichtete am Dienstag, dass der regionale Politiker Ulf Klasson von der Volkspartei vorgeschlagen habe, in den drei Hafenstädten Slite, Klintehamn und Visby Hohlräume an der Küste einzurichten. Diese Hohlräume könnten vermint werden, um einen Angriff zu verhindern. Als möglicher Angreifer wird vor allem Russland verstanden.

    „Gotland ist ein wichtiger strategischer Stützpunkt in der Ostsee. Wir müssten einen möglichen Angriff hinauszögern, um Unterstützung vom Festland zu bekommen, sagte Klasson in einem Interview mit der Zeitung „DN“.

    Zudem müsse verhindert werden, dass der potentielle Gegner diese Sprengsätze bis zur Ankunft der Unterstützung vom Kontinent entschärft. Laut dem Militärexperten Karlis Neretnieks müssten auf der Insel mindestens 1500 Soldaten, 20 bis 30 Panzer, 50 Schützenpanzerwagen, ein kleines Artillerie-Bataillon und eine Luftabwehreinheit mit 200 Soldaten stationiert werden.

    Die nahezu entmilitarisierte Gotland-Insel sei vor allem ein Touristenziel, doch eine theoretische Eroberung der Insel könnte die Baltikum-Länder bedrohen, wenn die Nato nicht rechtzeitig zur Hilfe komme, so Neretnieks.

    Schweden gilt seit mehreren Jahren als blockfrei und hat deshalb keine Verpflichtungen gegenüber den Baltikum-Ländern und der Nato. Entweder befassen sich die Schweden mit wohltätigen Hilfsmaßnahmen oder haben bereits beschlossen, der Nato beizutreten.

    Laut dem Militärexperten Peter Mattsson sind für den Schutz der Insel 3000 bis 5000 Soldaten plus Militärtechnik nötig. Es seien ein Luftabwehrbataillon mit 675 Soldaten und zwei verschiedene Anlagen erforderlich, die Hubschrauber und Flügelraketen bekämpfen können. Weitere 460 Soldaten und Raketen müssten auf jeden Fall an der Küste stationiert werden.

    Der Hafen Slite wurde vom russisch-deutschen Unternehmen Nordstream wegen der Ostsee-Pipeline ausgestattet.
    Mattsson zufolge ist es merkwürdig, dass die Verminung des Hafens nie in Erwägung gezogen wurde. Dahinter sei ein heimtückisches Vorhaben Russlands zu erkennen.

    Bislang wurden vor der Gotland-Küste keine feindlichen U-Boote gesichtet. Mehrmals am Tag legen aber Fährschiffe im Hafen Visby an — mit Sicherheit ein Nervenkitzel für die Passagiere, wenn sie an einer verminten Küste aussteigen.

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    Tags:
    Nord Stream, NATO, Peter Mattsson, Ulf Klasson, Karlis Neretnieks, Peter Hultqvist, Russland, Gotland, Baltikum, Schweden