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    CSU-Altpolitiker Scharnagl: Schluss mit der antirussischen Einseitigkeit!

    CC BY 2.0 / Dmitry Boyarin / Right Wing
    Politik
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    „Beim Thema Ukraine-Russland und Ost-West-Konflikt herrscht eine grobe unzulässige Einseitigkeit“, so der langjährige „Bayernkurier“-Chefredakteur Wilfried Scharnagl. Das hat ihn dazu bewogen, das Buch unter dem Titel „Am Abgrund. Streitschrift für einen anderen Umgang mit Russland“ zu publizieren, das wieder viele Diskussionen auslösen kann.

    Er halte es für falsch, die Schuld auf Russland und Präsident Putin zu schieben, und plädiert dafür, dass die Position Russlands verstanden wird. „Der Westen muss sich bemühen, die russische Sicht, die russische Geschichte, russische Erfahrungen zu verstehen“, sagte der bayerische Politiker im Interview mit unserem Korrespondenten Nikolaj Jolkin.

    „Ich glaube, das wird im Westen in grober Weise vernachlässigt. Der große Fehler, der Ur-Fehler wurde 1989-90 gemacht, als die Welt sich verändert hat und die Sowjetunion in klassischer Form aufgehört hat, zu existieren. Im Westen hat man in der Politik weitergemacht, als ob sich nichts geändert hätte.“ Es hätte damals ein völlig neuer Ansatz für eine neue europäische Welt- und Friedensordnung gesucht werden müssen, auf Augenhöhe, mit Respekt voreinander.

    „Es war ein Fehler – sicherlich ist er ursächlich auf Amerika zurückzuführen, dass wir gedacht haben: Jetzt muss Russland als Verlierer betrachtet werden. Und das war falsch. Wir haben die Russen überfordert. Wir haben Gorbatschow enttäuscht. Und die russische Führung hat damals etwas Anderes erwartet. Die Ausdehnung der NATO auf keinem Fall. So wurde gegen den Geist der damaligen Gespräche verstoßen.“

    In seinem Buch wirbt der CSU-Mann für eine Änderung der Politik im Ukraine-Konflikt: Weg von der antirussischen Einseitigkeit, zurück zu den Chancen und Möglichkeiten, die es in der Zeit der Wende Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts gegeben habe, schreibt er.

    Auf die Situation mit der Krim eingehend, meint Wilfried Scharnagl: „Wenn jemand glaubt, Russland könne es zulassen, dass die Krim – ein Herzstück russischer Geschichte, wenn ich nur an den Krieg von 1850-56 denke, an die russischen Opfer, an die Bedeutung der Krim für die Schwarzmeerflotte — weggeht, wenn die Ukraine in die NATO geht, in letzter Konsequenz ein amerikanischer Admiral als NATO-Oberkommandierender auf der Krim in Sewastopol sitzt … Das konnte und kann die russische Politik nicht hinnehmen“, ist der Vertraute von Franz Josef Strauß überzeugt.

    „Das war eine Sezession und nicht eine Annexion. Und der gleiche Westen, der sich empört über die,völkerrechtswidrige Annexion der Krim‘, wo das Volk gefragt worden ist, redet keinen Satz davon, dass 60 Jahre vorher Chruschtschow, ohne einen Menschen zu fragen, mit einem Federstrich die Krim von einem russischen Teil der Sowjetunion der Ukraine zugeteilt hat.

    „Meine Bundeskanzlerin unterscheidet sich von allen anderen führenden westlichen Politikern dadurch, dass sie mit Herrn Putin wenigstens redet“, betonte der Politik-Veteran. „Aber das in wenigen Tagen in meinem Bayern eine G-7-Konferenz stattfindet, und Russland mit Putin nicht dabei ist, und das in einer Zeit, wo man nicht weniger, sondern vielmehr miteinander reden müsste, halte ich für einen ganz großen Fehler.“

    Wilfried Scharnagl erinnert sich, als er Franz Josef Strauß 1987 bei der berühmten Reise nach Moskau in Schnee, Sturm und Eis begleitete. Und Strauß habe im Gespräch mit Gorbatschow eine bilderreiche Sprache gebraucht: Wenn der russische Bär und der bayerische Löwe gemeinsam friedlich auf einer Wiese grasen… Der CSU-Politiker erinnert auch an die Verabschiedung sowjetischer Truppen von Deutschland am 30. August 1994 im Treptower Park in Berlin, wo das große russische Ehrenmal für Tausende gefallene russische Soldaten steht. „Da haben russische Soldaten ein Lied gesungen, das ein russischer Oberst komponiert hat und in dem es hieß,Deutschland, wir reichen dir die Hand‘ und,wir bleiben Freunde allezeit‘. Und wenn ich denke, was in 20 Jahren daraus geworden ist, dann muss sich dramatisch etwas ändern.“

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    Tags:
    CDU/CSU, NATO, Wilfried Scharnagl, Michail Gorbatschow, Wladimir Putin, Krim, Russland, Ukraine