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22:09 20 August 2019
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    Prodi: Isolation Russlands fügt der EU nur Schaden zu

    © AFP 2019 / Georges Gobet
    Politik
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    Der ehemalige italienische Ministerpräsident und Expräsident der Europäischen Kommission Romano Prodi ist gegen Versuche des Westens aufgetreten, Russland in eine Isolation zu treiben.

    „Du kannst brutal sein, wenn dir passt, du kannst weich sein, wenn dir das passt. Aber du kannst nicht brutal sein, wenn es dir nur Schaden bringt. Die Isolation Russlands ist Schaden“, sagte Prodi in einem Interview für die einflussreiche mailändische Zeitung Corriera della Sera

    In Bezug auf die heutige politische EU-Konstellation hat der prominente europäische Politiker betont, dass man klare Ideen in Bezug darauf haben müsse, welches Ergebnis man letztlich erreichen wolle.

    “Wenn man will, dass die Ukraine kein EU- und kein Nato-Mitgliedstaat sondern  ein Freundschaftsland für Europa und eine Brücke zu Russland wird, muss man die entsprechende Politik betreiben. Doch wenn man danach strebt, die Ukraine in einen Nato-Mitgliedstaat zu verwandeln, dann löst man dauerhafte Spannung aus“, sagte Prodi.

    In Bezug auf die jüngsten Ereignisse in Europa, unter anderem die Situation in Griechenland und die Wahlergebnisse in Polen und in Spanien, äußerte sich Prodi sehr kritisch über heutige Lage der EU.

    „Europa hat keine Politik und keine Ideen mehr. Es hat nur Regeln und Arithmetik. Aber es ist unmöglich mit Hilfe der Arithmetik zu regieren. (Der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude) Juncker hat seinen Investitionsplan vor neun Monaten veröffentlicht, während dieser Zeit kann man ein Kind zur Welt bringen. Aber bis jetzt ist nichts geschehen“, so Prodi.

    Eines der wichtigsten Probleme der EU bestehe darin, dass „sich das Machtzentrum von der Europäischen Kommission zu den anderen Ländern, vor allem zu Deutschland verschoben hat“, so Prodi. Doch seiner Meinung nach kann Deutschland allein die Verantwortung für die Geschicke der EU nicht tragen.

    „Eine Politik, die eine Alternative zur Linie Deutschlands sein könnte, ist nicht zu sehen. Wir waren ein Bündnis der Minderheiten, und heute sind wir zu einem Europa der einzelnen – deutschen – Dimension geworden. Ich habe lange gehofft, dass Frankreich, Spanien und Italien ihren gemeinsamen Standpunkt erarbeiten können, aber sie konnten das nicht“, betonte der prominente Politiker.

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    Tags:
    Isolation, Präsidentenwahl in Polen (2015), NATO, EU, Romano Prodi, Polen, Griechenland, Ukraine, Italien, Deutschland, Russland