04:50 19 September 2018
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    30 Jahre Gorbatschows Perestroika: Weltpolitik braucht Umdenken dringender denn je

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    Politik
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    Obwohl die Perestroika in der Sowjetunion keine positiven Folgen hatte, wurde mit ihr der Kalte Krieg beendet. Angesichts der aktuellen Krise zwischen Russland und dem Westen, die an eine Wiederauflage des Kalten Krieges erinnert, halten einige russische Experten ein Umdenken in der Weltpolitik wie zur Perestroika-Zeit für notwendig.

    Dieses Jahr jährt sich der Beginn der Perestroika zum 30. Mal. Am Donnerstag wird in Moskau der Bericht „Werte der Perestroika im Kontext des heutigen Russlands“ vorgestellt, der durch das von unabhängigen Experten der Gorbatschow-Stiftung und vom ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin ins Leben gerufene Komitee für bürgerliche Initiativen erstellt wurde.

    Defizit „des neuen Denkens“

    Aus dem Bericht geht hervor, dass die außenpolitischen Aktivitäten der Sowjetunion in den Perestroika-Jahren aus Sicht des traditionellen geopolitischen Kampfes um die globale Führerschaft wie ein „Verlust der zuvor eroberten Positionen“ aussahen. Aus Sicht der allgemeinmenschlichen Werte, die von der sowjetischen Führung propagiert wurden, war diese Politik absolut neu, rational und richtig modern, meinen die Experten.
    “Das damalige Herangehen steht im Kontrast zu dem, was man heute beobachten kann, wenn die internationalen Beziehungen einst wie zu Zeiten des Kommunismus zum Schauplatz einer Konfrontation, deren Folgen unvorhersehbar sind, werden. Das heutige Defizit „des neuen Denkens“ ist eine neue Bedrohung für die Menschheit, die politische und wirtschaftliche Risiken multipliziert. Deshalb braucht das Erbe der Perestroika im Bereich der internationalen Beziehungen ein Umdenken und eine Erneuerung“, heißt es im Bericht.
    Nach Einschätzung der Experten nähern sich Russland und der Westen „einer bedrohlichen Grenze der Konfrontation an, weshalb die Gefahr eines neuen Kalten Krieges und der Verschärfung der internationalen Konflikte zunimmt“.

    Perestroika war kein „Fehlstart“

    Nach Ansicht der Experten „erwies sich die Perestroika nicht als „Fehlstart“. Ihre Werte dürfen nicht verloren gehen.
    „Die Perestroika erlitt eine Niederlage, obwohl ihr wichtigster Erfolg darin bestand, dass „der Eiserne Vorhang“ fiel und der Kalte Krieg beendet wurde, und sich auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion, Zentral —und Osteuropas demokratische Werte etablierten”, so die Experten.
    Die unvollendete Perestroika war ein zivilisatorischer Erfolg Russlands, der auf langfristige Perspektiven ausgelegt war, schätzen die Experten ein. Sie sind der Ansicht, dass freie Wahlen, soziale Demokratie, Selbstorganisation der Gesellschaft, Glasnost und die Konzeption „des neuen Denkens“ dieser neuen Strategie zugrunde liegen sollen.

    “Im politischen Sinne wurde das Programm der Perestroika nicht umgesetzt, und deshalb betrat Russland das 21. Jahrhundert mit derselben Bandbreite an Problemen, mit der es die Perestroika-Zeit Mitte der 1980er-Jahre einleitete. Das bedeutet, dass tiefgehende demokratische Reformen unvermeidlich sind und von den Problemen angeregt werden, welche die Modernisierungsprozesse in der Perestroika ausgelöst hatten", heißt es im Bericht.

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