09:03 24 Februar 2017
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    „Es war ein Putsch“: USA und Nato stehen hinter Machtwechsel in Kiew - Experte

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    Der Wahl von Pjotr Poroschenko zum ukrainischen Präsidenten im Mai 2014 ist ein gesetzwidriger Putsch im Februar 2014 vorausgegangen. Darauf weisen nach Ansicht des Schweizer Historikers Daniele Ganser eindeutige Beweise hin.

    „Das entscheidende Datum war der 20. Februar 2014“, betont der Experte in einem Gespräch mit Armin Siebert. „Im Westen hat man das so dargestellt, dass friedliche Demonstranten gegen einen korrupten Präsidenten demonstriert haben. Die historische Forschung hat inzwischen gezeigt, dass dies falsch ist bzw. nur zu Beginn stimmte. Die Demonstrationen wurden zunehmend militanter und dann am 20. Februar gab es ein Scharfschützenmassaker. Und das führte dann dazu, dass der Präsident Viktor Janukowitsch illegal gestürzt wurde. Es war also ein Putsch.“

    „Wenn sich beweisen sollte, dass dies ein Putsch mit Hilfe von Nato und Rechtsextremen Kräften in der Ukraine war, dann müsste das ja unsere ganze Sichtweise im Westen ändern“, meint Ganser. „Vielleicht noch ein Punkt: es ist erwiesen, dass die Scharfschützen sowohl auf Demonstranten, als auch auf Polizisten geschossen haben. Und das ist schon erstaunlich, weil die Polizisten ja eigentlich zum Schutz des Präsidenten Janukowitsch und seiner Regierung da waren.“

    „Auch der belegte Fakt, dass sowohl Polizisten, als auch Demonstranten mit denselben Kugeln getötet wurden, deutet auf einen Regierungssturz, auf einen Putsch hin“, fügt der Historiker hinzu.

    Die Rolle des Westens beim Umsturz in der Ukraine erscheint Ganser offensichtlich:  „Dahinter stehen die USA, die eben auch die Ukraine in die Nato ziehen wollen. So sollte man dies nicht nur im Rahmen der EU diskutieren, sondern auch im Rahmen der Nato-Strategie. Und hier geht es, meiner Meinung nach, auch um die Kontrolle von Erdgas-Pipelines.“

    Dementsprechend sind auch die heutigen Schlüsselfiguren in Kiew kaum anders als US-Kreaturen zu betrachten. Regierungschef Arseni Jazenjuk sei „der Mann, den man vor dem Putsch schon ausgewählt hatte“, betont der Experte. „In einem abgehörten Telefonat mit dem US-Botschafter Geoffrey Pyatt sagte die amerikanische Spitzendiplomatin Victoria Nuland bereits vor der Wahl, dass sie Jazenjuk als neuen Premierminister sieht. Und das bedeutet für mich, dass Jazenjuk vermutlich in erster Linie die Interessen der USA verfolgt. Interessant ist halt die Reihenfolge: erst gibt es dieses Telefongespräch, dann das Massaker mit den Scharfschützen und dann wird Jazenjuk tatsächlich Ministerpräsident.“

    Nicht viel anders sei es um Präsident Poroschenko bestellt. „Poroschenko ist einfach ein Oligarch. Er sieht einfach, dass die Amerikaner zurzeit das größte Imperium auf der Welt sind“, meint Dr. Daniele Ganser. „Und so sagt er sich, ich werde mit den Amerikanern zusammenarbeiten, um meine Interessen zu maximieren. Poroschenko ist ja auch gleich nach Washington geflogen und hat dort vor dem amerikanischen Kongress gesprochen und hat ihnen gedankt. Das heißt, er stellt sich ganz klar auf die Seite der USA.“

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    Tags:
    EU, NATO, Petro Poroschenko, Daniele Ganser, Victoria Nuland, Viktor Janukowitsch, Kiew, USA, Ukraine
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