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    Annäherung zwischen Moskau und Peking: „Für US-Denken nahezu eine Katastrophe“

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    China will ein „paralleles Währungs- und Finanzsystem“ aufbauen – und Russland ist interessiert, daran teilzunehmen. Ihre Annäherung beunruhigt die USA. Davon geht der russische Politik- und Wirtschaftsexperte Sergej Karaganow aus.

    Karaganow, der die Fakultät für Weltwirtschaft und Politik an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics leitet, sagte in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der „Rossijskaja Gaseta“, Russland und China seien derzeit bestrebt, zwei wirtschaftliche Mammutprojekte zu koordinieren und gegenseitig zu integrieren. Es gehe dabei um Chinas geplanten Wirtschaftsgürtel der Seidenstraße und die von Russland geführte Eurasische Wirtschaftsunion.

    „Zuvor haben die meisten Beobachter vermutet, dass diese beiden Projekte miteinander konkurrieren würden. Nun geschieht genau das Gegenteil. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich im Zentrum Eurasiens ein neues Territorium der wirtschaftlichen Entwicklung herausbildet, das Nutzen für alle bringen wird (…) Zumal das Projekt nicht nur russisch-chinesisch sein soll. Ich denke, künftig werden auch der Iran und die Mongolei sowie möglicherweise Korea und Indien einsteigen. Dies könnte zu einem Mega-Projekt für die Gründung eines neuen Wirtschaftszentrums der Welt werden“, so der Experte. 

    Er warnte davor, Russlands Möglichkeiten zu unterschätzen. Russland sei China zwar wirtschaftlich unterlegen, aber trotzdem international nicht weniger wichtig. Um diese Parität aufrechtzuerhalten, müsse Russland seine stagnierende Wirtschaft ankurbeln und asiatische Länder wirtschaftlich stärker ins Visier nehmen. China werde vielleicht die führende asiatische Großmacht sein, aber kein Hegemon: „Chinas Positionen werden nie mit jenen identisch sein, die jetzt von den USA im Euroatlantischen System eingenommen werden.“

    China wolle jetzt intensiver mit den Ländern kooperieren, die westlicher von ihm liegen. „Dies geht darauf zurück, dass die USA im Osten den Chinesen immer härter entgegenwirken. Was die kürzlich veröffentlichte chinesische Militärdoktrin betrifft, so habe ich sie studiert. Sie enthält keine Elemente, die Russland bedrohen würden. In den Grenzgebieten zu Russland soll eine sehr niedrige (ich würde sogar sagen, betont niedrige) Konzentration der chinesischen Streitkräfte weiterbestehen“, so Karaganow.

    Moskau und Peking hätten viele Möglichkeiten zur Interaktion im Sicherheitsbereich. Eine der künftigen Gefahren sei wie folgt: Washington werde wahrscheinlich versuchen, die russisch-chinesische Annäherung zu bremsen: „Für das US-amerikanische politische Denken ist diese Annäherung generell ein nahezu katastrophales Szenario.“

    China sei unterdessen dabei, mit dem Aufbau eines „parallelen Währungs- und Finanzsystems“ zu beginnen – gemeinsam mit seinen Partnern aus Asien und weiteren Regionen. Russland sei ebenfalls interessiert, daran teilzunehmen: „Natürlich werden wir auch im alten System weiter arbeiten. Doch die Entstehung paralleler Entwicklungsbanken, Reservewährungen und Zahlungssysteme bringt Russland Vorteile, erweitert seinen Bewegungsraum und macht Russland selbständiger und unabhängiger.“

    Im Hinblick auf die zunehmende russischen Energie-Lieferungen an China sagte Karaganow: „Die Chinesen begreifen ausgezeichnet: Die Exporte aus Afrika und dem Nahen Osten sind äußerst verwundbar, denn sie erfolgen auf See, wo die USA in nächster Zukunft weiterhin dominieren werden. Deshalb wäre eine Unterbrechung dieser Lieferungen theoretisch möglich. Energie-Lieferungen an Land bergen dagegen keine solche Gefahren in sich.“

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