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01:19 18 Oktober 2019
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    Terrorgruppierung Islamischer Staat

    Terrorgruppe IS setzt auf Franchise-System: Orientalist klärt auf

    © REUTERS / Thaier Al-Sudani
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    Die Dschihadisten-Gruppen weltweit, die ihre Unterstützung für den „Islamischen Staat“ (IS) bekunden, agieren vorerst ohne zentralisierte Kontrolle. Der IS ist für sie eine Art „Modemarke“, wie Vitali Naumkin, Chef des Orientalistik-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte. Er befürchtet aber ein schlimmeres Szenario.

    In einem am Dienstag veröffentlichten Kommentar für die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ erläuterte Naumkin: „Der ‚Islamische Staat‘ hat eine Multi-Vektor-Strategie. Wir beobachten quasi ein Franchise-System, wenn sich radikale Gruppen weltweit bereit erklären, unter IS-Flagge zu agieren. Es kommt aber zu keinem formellen Zusammenschluss. Etwa die Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) hat ihre Basis vorwiegend in Pakistan und Afghanistan. Sie rechnet mit einem Machtwechsel in Afghanistan und mit einer Ausbreitung nach Zentralasien. Dabei nimmt sie vor allem Tadschikistan, Usbekistan und Kirgisien ins Visier, um dort einen eigenen Islamstaat aufzubauen. Zwar strebt die IBU ein Kalifat an, doch es gibt viele Kalifat-Theorien. Das ist eben ein gewisses Franchise-System, wo eine Gruppe ihre Unterstützung für den IS bekundet, dabei aber selbständig agiert.“

    Der Experte warnte jedoch, es gebe auch ein schlimmeres Szenario, falls der IS über die jetzt kontrollierten Gebiete in Syrien und im Irak weit hinausgehe: „Dann könnte es auch zu einem organisatorischen Zusammenschluss kommen, der eine zentralisierte Kontrolle voraussetzt. Vorerst ist das nicht der Fall – es gibt möglicherweise nur eine gewisse Koordinierung. Doch die Loyalität und das Vorhandensein aktiver oder ‚schlafender‘ Zellen sind offensichtlich Teil der IS-Strategie. Der IS gründet sie und hilft ihnen dabei, viele Anhänger zu finden, denn der IS ist mittlerweile eine Art Modemarke in diesem Bereich.“

    Naumkin berief sich auf die Statistik, laut der rund 1.700 IS-Kämpfer aus Russland stammen: „Geld ist nicht immer der entscheidende Faktor. Es gibt Beispiele, wo etablierte und selbständige Menschen ihr Eigentum verkauften und in den Krieg zogen. Sie wollten nicht unbedingt kämpfen: Manche von ihnen wollen einfach in einem solchen Staat leben. Die Gefahr besteht darin, dass der IS ein Modell repräsentiert, dessen Attraktivität wir noch nicht richtig studiert haben.“

    Der „Islamische Staat“ rivalisiere dabei mit der in Syrien agierenden Al-Nusra-Front, die mit der Al-Qaida verbunden ist. Diese Rivalität reiche „mancherorts bis hin zu einem gnadenlosen Krieg“, so Naumkin.

    Im Hinblick auf die US-Luftangriffe sagte er: „Der IS lässt sich durch solche Angriffe nicht besiegen. Doch die USA begreifen, dass die antiamerikanische Stimmung in der Region äußerst stark ist, und wollen keine überflüssigen Opfer unter Zivilisten, um diese Stimmung nicht weiter zu schüren.“

    Amerika brauche den IS nicht und wolle ihn vernichten, gehe aber vorsichtig vor. Keiner der US-Verbündeten wolle einen Militäreinsatz an Land: „Aber auch mit den begrenzten Luftangriffen wurde viel erreicht. Laut Experten, die mit der Situation vertraut sind, ist der Öl-Schmuggel aus Syrien (und die entsprechenden Einnahmen des IS) infolge dieser Luftangriffe um rund zwei Drittel geschrumpft.“

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Terrorismus, Al Nusra-Front, Al-Qaida, Islamische Bewegung Usbekistan (IBU), Vitali Naumkin, Irak, Syrien, Afghanistan, Pakistan