05:33 19 November 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel

    „Gefahren der Welt“: Merkel redet Obama nach dem Mund

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    Politik
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    Wenn Angela Merkel im Vorfeld des G7-Gipfels die aktuellen Herausforderungen für die Welt aufzählt, stellt sie, wie vorher schon Barack Obama, das russische Vorgehen auf der Krim in eine Reihe mit dem Ebola-Virus, das momentan allerdings abflaut, und dem Islamischen Staat (IS).

    Am Mittwoch wurde Angela Merkels Gastbeitrag für die japanische Zeitung „Yomiuri Shimbun“ veröffentlicht. Hier ist eine Rückübersetzung aus dem Englischen.

    „Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer werden sich am 7. Juni auf Schluss Elmau versammeln, um die akutesten globalen Herausforderungen zu erörtern. (…) Wer hätte es für möglich gehalten, dass die europäische Friedensordnung 25 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Frage gestellt wird, und zwar durch die Annexion der Krim? Oder dass die Ausbreitung des Ebola-Virus mehrere Staaten in Afrika destabilisieren und ihre Weiterentwicklung stören kann? Oder dass eine islamistische Terrororganisation im Nahen Osten versuchen wird, ein sogenanntes Kalifat auf dem Territorium zweier Staaten zu etablieren?“, schreibt Merkel. 

    Im Herbst hatte sich auch US-Präsident Barack Obama ähnlich geäußert: „Der Ebola-Ausbruch legt die Systeme des Gesundheitswesens in Westafrika lahm und droht, sich schnell über die Region hinaus auszubreiten. Die Aggression in Europa lässt an jene Tage zurückdenken, wo kleinere Nationen von größeren bedroht wurden, indem man eigene territoriale Ambitionen verfolgte. Das grausame Vorgehen der Terroristen in Syrien lässt uns ins Herz der Finsternis schauen.“

    Der russische Außenminister Sergej Lawrow zeigte sich damals empört über Obamas Versuch, Russland zu den internationalen Gefahren hinzuzurechnen. Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew sagte, er wolle Obamas Worte nicht einmal kommentieren. Medwedew warnte vor solchen „Denk-Abweichungen“ und bezweifelte vor diesem Hintergrund die Aussichten auf ein neues „Reset“-Verfahren mit den USA. 

    Wegen seines Vorgehens in der Ukraine-Krise wurde Russland aus dem einstigen G8-Format ausgeschlossen. Beim kommenden Gipfeltreffen in Bayern wird Präsident Wladimir Putin ebenfalls nicht dabei sein.  

    G8-Gipfel in Nordirland
    © Sputnik / Alexei Nikolskij
    Die russische „Nesawissimaja Gaseta“ schreibt am Mittwoch in einem Redaktionskommentar: „Die G7-Spitzenvertreter betrachten diesen Elite-Klub als Gemeinschaft, die durch gemeinsame Werte vereint ist, d.h. durch Freiheit, Demokratie und Vorherrschaft des Gesetzes. Die Aufnahme Russlands in den Klub im Jahr 1998 war nach Ansicht des Westens eine Art Vertrauensvorschuss gewesen. Doch Russland verstieß aus westlicher Sicht gegen das Völkerrecht und brach dadurch das Vertrauen.“

    Wie die russische Zeitung schreibt, ist das derzeitige G7-Vorgehen widersprüchlich, denn einerseits zeigen sich die Großen Sieben bereit zum Dialog und andererseits drohen sie mit schärferen Sanktionen gegen Moskau: „Sie verpassen die Chance auf eine Regelung der äußerst schweren Ukraine-Krise und darauf, Moskau zu jenen Schritten zu bewegen, die aus ihrer Sicht konstruktiv wären. (…) Der Elite-Klub scheint sich darüber einig zu sein, dass Russland in Quarantäne bleiben soll. Das ist ein Hinweis darauf, dass die führenden Politiker der Welt die Fähigkeit eingebüßt haben, sich mit anderen zu verständigen und Kompromisse zu finden.“

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Ebola, Terrorismus, EU, G7, Angela Merkel, Sergej Lawrow, Dmitri Medwedew, Barack Obama, Wladimir Putin, Deutschland, USA, Russland, Ukraine, Krim