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11:30 15 Oktober 2019
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    People observe damage in their flat after shelling between Russia-backed separatists and Ukrainian government troops in Donetsk

    Ost-Ukraine: Dutzende Verletzte bei neuen Gefechten in Donezk

    © AP Photo / Mstyslav Chernov
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    Die Situation im ostukrainischen Kampfgebiet Donbass (Donezbecken) ist am Mittwoch offenbar wieder eskaliert. Die Milizen der von Kiew abtrünnigen Volksrepublik Donezk werfen den Regierungstruppen vor, entlang der gesamten Frontlinie zu feuern und mehrere Kämpfer getötet zu haben. Kiew spricht seinerseits von einer Offensive der Milizen.

    Nach Angaben von Ärzten wurden Dutzende Zivilisten in Donezk verletzt. „Allein in unser Krankenhaus wurden etwa 60 Menschen eingeliefert“, teilte Alexander Oprischtschenko, Direktor des Donezker Traumatologischen Zentrums, der Donezker Nachrichtenagentur DAN mit. Fünf schwebten in Lebensgefahr. „Es gibt Verletzte ohne Arme und Beine.“

    „Die Ukraine hat um 03.45 Uhr an der gesamten Frontlinie mit einem Beschuss begonnen“, teilte der Verteidigungsminister der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, Wladimir Kononow, am Mittwoch mit. „Gegen 04.30 Uhr gab es bei uns drei Todesopfer.“

    Kiew beschuldigte die Milizen, in den westlichen Vororten von Donezk eine Offensive versucht zu haben. „Der Feind hat um drei Uhr morgens einen massiven Beschuss auf unsere Stellungen nahe Marjinka und Krasnogorowka begonnen, darunter auch aus schweren Waffen“, sagte Andrej Lyssenko, Pressesprecher der ukrainischen Sonderoperation im Donbass. Der Feind versucht vorzudringen, doch das Militär schlägt die Angriffe zurück und hält die Situation im Griff.“ Lyssenko schloss jedoch nicht aus, dass Kiew eine Truppenverstärkung nach Marjinka schicken könnte.

    Die Milizen bestreiten, eine Offensive angefangen zu haben. Laut dem Vize-Kommandanten der Donezker Volkswehr, Eduard Bassurin, erwidern die Milizen die Angriffe des „Aggressors“, greifen selber jedoch nicht an. Bassurin bestätigte, dass in Marjinka gekämpft werde. „Wir greifen nicht an, sondern treffen adäquate Maßnahmen gegen den Genozid an der Donbass-Bevölkerung“, zitierte ihn die Agentur DAN.

    Der Donezker Parlamentschef Andrej Purgin teilte RIA Novosti mit, dass das ukrainische Militär die Höhen von Marjinka und Krasnogorowka immer wieder genutzt habe, um Wohnviertel im Donezker Stadtkern unter Beschuss zu halten. Purgin schloss nicht aus, dass die Milizen diese Orte nun unter Beschuss genommen hätten, um die Feuerstellungen der Regierungstruppen „niederzuhalten“.

    Bewohner von Marjinka erzählten im Gespräch mit RIA Novosti von „Straßenkämpfen“. „Auf den Straßen wird gekämpft. Wir liegen im Keller auf dem Boden“, teilte ein Mann mit. Niemand wage sich auf die Straße. Die ukrainische Verkehrspolizei hat unterdessen die beiden einzigen Straßen, die das von Kiew kontrollierte Territorium mit Donezk verbinden, „wegen der Wiederaufnahme der Gefechte“ abgesperrt.

    In der Ost-Ukraine hatten im April 2014 Kämpfe begonnen. Nach dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch im Februar 2014 schickte die neue ukrainische Regierung Truppen gegen die östlichen Kohlebergbau-Gebiete Donezk und Luhansk, weil diese den nationalistisch geprägten Machtwechsel nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten zwischen Militär und Milizen sind laut den UN-Angaben mehr als 6.400 Zivilisten ums Leben gekommen. Seit dem 15. Februar gilt im Kampfgebiet eine Waffenruhe, die unter Vermittlung Deutschlands, Frankreichs und Russlands ausgehandelt wurde.

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    Waffenruhe, Andrej Purgin, Andrej Lyssenko, Alexander Oprischtschenko, Eduard Bassurin, Krasnogorowka, Marjinka, Donezk, Ukraine