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01:32 17 Juli 2019
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    „G7 ist nicht zum Grillen da“ – Deutsche Politiker über Gipfel ohne Putin

    © AFP 2019 / Christof Stache
    Politik
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    G7-Gipfel 2015 in Bayern (23)
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    Wozu ist der Verhandlungstisch nun mal da, wenn nicht zur Krisenlösung? Grillen, meint dazu Matthias Platzeck, kann man ja auch in guten Zeiten.

    Platzeck, Chef des Deutsch-Russischen Forums und ehemaliger SPD-Vorsitzender, sieht die Nichtteilnahme Russlands am G7-Treffen in Deutschland für eine Fehlentscheidung.  „Ich gehöre zu denen, die kein Verständnis dafür aufbringen, dass die russische Seite nicht am G7-Treffen im Elmau teilnimmt, weil wir in einer hochkomplizierten und auch exklusiven  Situation sind. Wozu braucht man eigentlich einen Tisch, an dem die Leute sitzen, wenn er nicht in krisenhafter, gefährlich Situation zum Tragen kommt“, sagt er im Interview für Marina Piminowa.

    „Wenn blauer Himmel und Sonnenschein ist, dann kann man zwar gemeinsam grillen, muss es aber nicht. Aber in dieser Situation wäre es dringend angeraten, dass auch Putin mit am Tisch sitzt. Was ja nicht heißt, dass man da nicht Kritik üben kann, dass man nicht Auseinandersetzung führt. Aber das soll man ja miteinander machen und nicht ohne einander“, so der Politiker.

    Konfliktlösung unter einem überwölbenden Dach

    G8-Gipfel in Nordirland
    © Sputnik / Alexei Nikolskij
    Platzeck zufolge müsse man es erstmal schaffen, aus dem Waffenstillstand  eine friedliche Situation zu machen: „Dann wäre es sinnvoll und gut, wenn  wir uns zwischen der Eurasischen und der Europäischen Union eine Gesprächsebene suchen, die sich als Zielstellung diesen gemeinsamen humanitären Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok einnimmt“. Der Politiker sei fester Überzeugung, dass die Konfliktherde, die wir außer der Ukraine haben, wie Moldawien, Georgien und andere, perspektivisch aufgelöst werden können unter einem überwölbenden Dach, was die EU und die Eurasische Union bilden könnten. Es würde die Möglichkeit geben, diese Völker nicht mehr mit der „Entweder-Oder“-Fragestellung konfrontieren zu müssen, sondern  mit der „Sowohl-als-auch“- Situation.

    Deutschland-Russland: Alle Felder wieder knüpfen

    Sanktionen sind möglichst zügig zurückzufahren, meint Matthias Platzeck weiter: „Ich würde alle Anstrengungen unternehmen, dass wir uns wirtschaftlich nicht voneinander entfernen, was wir jetzt  auf der Basis von Sanktionen konstatieren müssen. Es wäre sinnvoll und gut, möglichst zügig die Sanktionen zurückzufahren und möglichst zügig alle Wege einer engen Zusammenarbeit wiederaufzunehmen. Europa und Russland können sich fast kongenial ergänzen“.

    „Lösung in Ukraine nur in Zusammenarbeit mit Moskau“

    Das G7-Treffen ist ein Treffen von Staaten, die ähnliche Werte und ähnliche Interessen haben, erklärt der namhafte SPD-Politiker Karsten Voigt im Gespräch mit Marina Piminowa. „Ein Treffen von Ländern, die sich nicht im geographischen Sinne, sondern im politischen Sinne, im erweiterten Sinne also als westliche Nationen begreifen. Russland ist damals eingeladen worden, weil es selber Teil dieser erweiterten transatlantischen Gemeinschaft von Vancouver bis nach Wladiwostok werden wollte, nicht nur aus politischen Gründen, sondern aus Wertorientierungsgründen. Das war damals Grundlage, warum Russland eingeladen wurde, und das ist der Punkt, der heute kontrovers diskutiert wird“, so Voigt.

    Von der Lösung der Ukraine-Krise beim G7-Treffen sei nicht die Rede, mein Voigt weiter, dazu brauche man die Zusammenarbeit mit Russland. Die finde auch statt, aber außerhalb des G7-Treffens. „Wenn Russland sich weiterhin als Teil einer Gemeinschaft verstehen würde, dann wäre ich der Erste, der sagen muss, Russland muss doch dabei sein“, sagt Voigt.

    Putin-Versteher: „Dummheit des Wortes nicht zu übertreffen“

    Fürs Reden mit Russland spricht sich deutscher Diplomat Franz Heinrich Christian von Ploetz, ehemaliger Botschafter in Moskau, aus: „Heute haben wir einen grundsätzlichen Meinungsunterschied. Bedeutet das, das wir über andere wichtige Fragen, zu deren Lösung wir beide beitragen können, nicht reden? Eindeutig nein!“ Dass der Begriff „Verstehen“ verunglimpfend verwendet wird, sieht von Ploetz  kritisch an: „Die Dummheit der Verwendung dieses Begriffes ist gar nicht zu übertreffen. Wir haben auf beiden Seiten viel zu wenige Leute, die Russland kennen und verstehen. Verstehen und billigen sind zwei unterschiedliche Sachen.“

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    Tags:
    Sanktionen, Waffenruhe, G7-Gipfel 2015, G7, Wladimir Putin, Franz Heinrich Christian von Ploetz, Karsten Voigt, Matthias Platzeck, Deutschland, Russland, Ukraine