13:29 19 Juni 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama

    Nach G7-Gipfel: „Merkel wagt nicht, dem „Hegemon“ zu widersprechen“

    © AP Photo / Michael Kappeler
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    G7-Gipfel 2015 in Bayern (23)
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    Russland stört Amerikas Pläne für eine globale Dominanz und wird ausgerechnet deshalb als Bedrohung für den weltweiten Frieden eingestuft. Angela Merkel begreift das, wagt jedoch nicht, den USA zu widersprechen. Das postuliert der russische Auslandsexperte Wladimir Lepjochin im Hinblick auf den G7-Gipfel in Bayern.

    Lepjochin schreibt in einem Beitrag für die Agentur Rossiya Segodnya: „Der Status der Großen Sieben ist drastisch geschrumpft. Das geht unter anderem auf ihren Verzicht auf Werte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte zurück – zugunsten ihrer eigenen egoistischen Interessen.“ 

    Der Kommentator bezieht sich auf die jüngste Äußerung von Angela Merkel, wonach die Krim-Annexion durch Russland, das Ebola-Virus und die Terrorgruppe IS die akutesten Herausforderungen für die Menschheit seien. Er will der deutschen Kanzlerin nicht zustimmen: 

    „Vielleicht sollten die Folgen der Kosovo-Annexion durch Nato-Einheiten und durch albanische Kämpfer sowie die Luftangriffe auf Belgrad als akuteste Bedrohungen für Europa eingestuft werden? Oder etwa der Staatsstreich in Kiew und Schüsse auf Zivilisten im Donezbecken? Noch eine Frage: Wer hat derzeit Zweifel daran, dass der IS aus Reagenzgläsern westlicher Geheimdienste stammt? Ist das nicht eine Verdrehung der Begriffe, wenn der IS und Russland in eine Reihe gestellt werden?“

    Der Experte nennt drei globale Probleme, die aus seiner Sicht am gefährlichsten sind. Das wären das annähernde globale Klimadesaster, die ungerechte Weltordnung mit einer katastrophalen Kluft zwischen Reichtum und Elend sowie die zunehmende Zahl von Kriegen und bewaffneten Konflikten, die auf das Streben der USA nach einer monopolaren Welt zurückgehen.

    „Doch Obama und Co. ziehen es bei Gipfeltreffen vor, nicht reale Probleme der Welt, sondern rein amerikanische Wünsche zu erörtern. Sie haben nicht vor, Armut zu beseitigen, auf Gewalt zu verzichten oder die Rechte derjenigen zu akzeptieren, die nicht für Amerika sind. Selbst den Kampf gegen den IS verschieben sie ins Ungewisse, denn der Terrorismus ist auf der Liste der Hauptgefahren lediglich mit dem Ziel präsent, mit der souveränen Haltung Russlands gleichgesetzt zu werden. Ausgerechnet Russland zählt laut Obama und Merkel zu den Hauptfeinden des Friedens, weil das Land zu einer Hürde für die Durchsetzung der US-Pläne wird“, so der Kommentator.

    Er postuliert: „Das Hauptübel des Welt ist derzeit zweifelsohne der Hegemonismus der USA, der den Interessen des globalen Marktes und eines unaufhaltsamen Konsums dient. Merkel begreift das gut. Doch peinlicherweise wagt sie nicht, dem Hegemon zu widersprechen.“

    G20-Gipfel (Archivfoto)
    © REUTERS / Kevin Lamarque
    Lepjochin schreibt, Washingtons wolle eine monopolare Welt mit einer einheitlichen Leitzentrale für den ganzen Planeten aufbauen, um die Menschheit dann in Auserwählte und Parias aufzuteilen: „Hinter diesen Zukunftsvisionen steckt eine Handvoll internationaler Oligarchen. Und Politiker, die ihnen dienen, sollen die globalen Probleme durch vermeintliche Bedrohungen erklären, damit die Menschheit den vorgeschriebenen Weg keineswegs verlässt.“

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    Terrormiliz Daesh, Ebola, G7-Gipfel 2015, NATO, G7, Wladimir Lepjochin, Angela Merkel, Barack Obama, Kosovo, Krim, Deutschland, USA, Russland