10:42 24 September 2017
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    Proteste in Armenien

    Proteste in Armenien: Polizei will keine Gewalt einsetzen

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    Die Polizei von Jerewan, der Hauptstadt Armeniens, will keine Gewalt bei der Zerstreuung der Demonstranten, die bereits mehrere Tage im Stadtkern gegen eine Erhöhung der Strompreise protestieren, einsetzen, wie der Vizepolizeichef der Stadt Valeri Ossipjan am Donnerstag zu Journalisten sagte.

    „Die Situation ist ruhig. Und obwohl  die Handlungen der Protestierenden an und für sich illegitim sind, aber einen friedlichen Charakter haben, ist die Polizei vorläufig nicht gewillt,  irgendwelche Maßnahmen zu treffen“, so Ossipjan.

    Proteste in Armenien
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    Momentan sei der Marschall-Bagramjan-Prospekt, eine der Hauptstraßen, immer noch mit Abfallbehältern abgeriegelt. Die Zahl der Protestierenden sei aber nach Polizeiangaben auf 200 Personen zurückgegangen. Zwischen der  Polizei und den Protestierenden sei eine Pufferzone gebildet worden.

    Der armenische Premierminister Owik Abramjan rief die Aktionsteilnehmer auf, den Marschall-Bagramjan-Prospekt zu räumen.

    Die  Erhöhung der Strompreise im Land hat laut Abramjan „ihre objektiven Gründe“. Dabei nannte er  drei Ursachen. Erstens sei es  ein wasserarmes Jahr, wodurch die Wasserkraftwerke eine unzureichende Strommenge erzeugt hätten und die Stromnetze Armeniens gezwungen wären, teure Elektroenergie zu kaufen.

    Als zweiten Grund bezeichnete der Premier die Stilllegung des armenischen Atomkraftwerks für etwa 88 Tage. Aber die Hauptursache sei die Abwertung der Nationalwährung um knapp 20 Prozent in den vergangenen drei Jahren, so Abramjan weiter. 

    Der Ausschuss für die Regelung öffentlicher Dienstleistungen hatte am 17. Juni über die Erhöhung der Strompreise ab dem 1. August um etwa 16,7 Prozent entschieden, was eine negative Reaktion in der Gesellschaft und eine Protestaktion auslöste, die bereits mehrere Tage andauert. 

    Die Demonstranten rufen die Bürger des Landes auf, den Strom täglich für eine Stunde aus Protest  abzudrehen.

    Diese Maßnahme soll nach den Worten der Initiatoren der Kundgebung den Stromnetzen Armeniens einen beträchtlichen Schaden zufügen.

    In der vergangenen Nacht seien in der armenischen Hauptstadt keine besonderen Vorkommnisse registriert worden, so die  Nachrichtenagentur Nowosti-Armenia.    

    Die Protestaktion hatte am 19. Juni auf dem Freiheitsplatz von Jerewan begonnen. Am Montagabend startete ein Protest-Umzug Richtung Präsidentenadministration. Dienstagvormittag trieb die Polizei die Teilnehmer des Protestes unter Einsatz von Spezialtechnik auseinander. Rund 240 Menschen, darunter auch Journalisten, wurden festgenommen. Weitere 25 Menschen benötigten ärztliche Hilfe. Später seien alle Festgenommenen auf freien Fuß gesetzt worden, so die Polizei.

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    Proteste, Gewalt, Polizei, Strom, Valeri Ossipjan, Armenien
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