04:54 17 Februar 2020
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    Das US-Onlinemedium Vox hat Kriegsszenarien zwischen Russland und der Nato aufgrund möglicher Proteste in der estnischen Grenzstadt Narva durchgespielt. Selbst ein Atomkrieg wird dabei nicht ausgeschlossen.

    Wenn westliche Politologen und Beobachter die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen den USA und Russland besprechen, geht es meistens um das Baltikum, schreibt Vox.

    Laut Vox-Experten könnte Estland zum Objekt einer militärischen Konfrontation zwischen der Nato und Russland werden. Estland ist ein baltischeы Land mit 1,3 Millionen Einwohnern, von dessen Existenz die „meisten Amerikaner überhaupt nichts ahnen“.
    „Estland liegt neben Lettland und Litauen, ebenfalls baltische Länder, am Rande Osteuropas nahe der russischen Grenze – sie waren ebenfalls Teil der Sowjetunion. Diese Länder sind ein Ort, an dem nach Befürchtungen der westlichen Experten der Dritte Weltkrieg beginnen könnte“, heißt es in einem Bericht.

    In dem Artikel wird auf Stephen Saideman von der Carleton University (Kanada) verwiesen, der der Ansicht ist, dass der Mittelpunkt fast jeder potentiellen Weltkrise ein kleines Land sein würde. Die Politologen Graham Allison und Dmitri Simes bezeichneten in einem Essay für die Zeitschrift „The National Interest“ das Baltikum als die Achillesferse der Nato.

    Dass die Wahl der Experten auf Estland fiel, hängt damit zusammen, dass ein Viertel der Einwohner dieses Landes ethnische Russen sind. Hier werden Parallelen zum aktuellen Gefahrenherd – der Ukraine – gezogen, wo russische Staatsbürger bzw. russischsprachige Ukrainer einen großen Bevölkerungsanteil in den südöstlichen Regionen bilden. Estland ist im Unterschied zur Ukraine Nato-Mitglied. Laut Artikel 5 des Nato-Statuts wird ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf das gesamte Bündnis eingestuft. Deshalb würde ein russischer Angriff die USA und die meisten europäischen Länder dazu zwingen, Moskau den Krieg zu erklären.

    In dem Vox-Bericht heißt es, dass im Baltikum noch nie dagewesene militärische Aktivitäten seit der Zeit des Kalten Krieges zu beobachten sind.
    „Das ist ein klassisches Beispiel dafür, was Politologen ein Sicherheitsdilemma nennen – jede Seite betrachtet ihr Vorgehen als Verteidigungsmaßnahmen. Die Aktivitäten des Gegners werden als Offensivmaßnahmen gedeutet. Beide Seiten antworten auf angebliche Provokationen mit einer größeren Eskalation“, wird erklärt. Damit entsteht ein Konfliktsystem, in dem mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein Krieg entstehen kann, wie das beim Ersten Weltkrieg der Fall war.

    Vox spielte ein Kriegsszenario zwischen Russland und der Nato im Baltikum durch, bei dem der Ausgang vom Vorgehen der Akteure abhängt. Analysten zufolge könnten der Ausgangspunkt für einen offenen Konflikt Proteste der russischen Minderheit in der estnischen Grenzstadt Narva sein. Der erste Zug wird von der Nato gemacht, die Allianz hat zwei Varianten – ein diplomatischer Aufruf zur Ruhe oder die sofortige Entsendung eines Militärkontingents wegen der Befürchtungen eines „russischen Eingriffs“. Dann hängt alles von den Handlungen Moskaus ab – falls Russland Truppen losschickt, ist ein sowohl zufälliger als auch ein beabsichtigter Zusammenstoß der beiden Armeen nicht ausgeschlossen. In diesem Fall beginnt ein offener Krieg zwischen Russland und der Nato in Estland.

    Falls der Konflikt in Narva auf Eis gelegt wird und das Konfliktgebiet zu einer umstrittenen Provinz mit engen Verbindungen zu Russland wird, wird die Unfähigkeit der Nato, den Prinzipien der kollektiven Verteidigung zu entsprechen, offensichtlich. Die Allianz müsste dann aufgelöst werden. Russland würde durch solche Szenarien wieder die Vorherrschaft in Osteuropa gewinnen.

    Falls es zu einem direkten Atomkrieg käme, gebe es vier Szenarios. Jedes von ihnen führt zum Tod von Millionen Menschen und dem Sieg einer Seite. Dem schlimmsten Szenario zufolge wird nach einer Konfrontation zwischen Russland und der Nato „der nukleare Winter“ beginnen.

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    Tags:
    NATO, USA, Moskau, Russland, Baltikum, Estland, Litauen, Lettland