21:26 25 November 2020
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    Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone (94)
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    Das Ergebnis des Referendums in Griechenland stellt neben der Krise in der Eurozone vor etwa fünf Jahren die schwierigste Herausforderung für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel dar, wie die US-amerikanische Zeitung „The Wall Street Journal“ schreibt.

    Frau Merkel müsse eine sehr schwierige Entscheidung treffen, entweder den Forderungen von Griechenlands Premiermister Alexis Tsipras nachzugeben und die Bedingungen für die Hilfeleistung an Griechenland zu mildern oder im Einklang mit ihrer harten Position zu handeln und keinerlei Zugeständnisse zu machen, so die Zeitung. 

    Beide Varianten seien riskant. Die Milderung der Politik gegenüber Griechenland könnte zur politischen Unzufriedenheit unmittelbar in Deutschland führen und harte Finanzregeln ins Wanken bringen, die die EU-Behörden in den vergangenen fünf Jahren zwecks Vermeidung von Krisen in Zukunft konzipiert hätten, so „The Wall Street Journal“.

    Jedoch könnte eine gewisse Abschwächung der Einstellung gegenüber Athen seitens Deutschlands  Griechenland immer noch vor dem „katastrophalen Ausstritt“ aus der Eurozone retten.

    Situation in Griechenland
    © REUTERS / Alkis Konstantinidis
    Und es sei nicht ausgeschlossen, dass die Opposition von Merkel im Bundestag und einige ihrer Koalitionsverbündeten aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gewisse Zugeständnisse machen würden. Dennoch könnten sich viele Mitglieder der Kanzlerpartei eindeutig gegen eine Milderung aussprechen. 

    Auch die deutschen Behörden haben Angst davor, dass weitere mögliche Geldspritzen für Griechenland im Ergebnis lauten Protest auslösen könnten, weil die meisten Bürger den griechischen Premierminister für die Geschehnisse verantwortlich machen.

    Außerdem werde Griechenland weiterhin auf der Durchführung der Wirtschaftsreformen bestehen. Die Zeitung hält aber für kaum wahrscheinlich, dass die „tapfer gewordenen Behörden in Athen“ jetzt bereit sein würden, dies zu tun.

    „Somit kann die Milderung der Position Angela Merkel sehr schaden, denn das wertet das Wesen der Herangehensweise Deutschlands an die Beilegung der Krise an und für sich ab – ihre Lösung ist nur dann möglich, wenn nichtkonkurrenzfähige Wirtschaftssysteme reorganisiert und die Regeln für die Haushaltspolitik nie wieder verletzt würden.“ 

    Angesichts der oben genannten Faktoren würden die Prinzipien und der Selbsterhaltungstrieb Merkel wohl von einem weiteren Festhalten an ihrer harten Position überzeugen.

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    Griechenland: Schuldenkrise und Austritt aus Eurozone (94)

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    Tags:
    SPD, Alexis Tsipras, Angela Merkel, Deutschland, Griechenland