SNA Radio
    Situation im westukrainischen MukatscheweSituation im westukrainischen MukatscheweSituation im westukrainischen Mukatschewe

    Nach Gefecht in Westukraine: „Rechter Sektor“ verschanzt sich nahe EU-Grenze

    © REUTERS / Stringer © REUTERS / Stringer © AP Photo /
    1 / 3
    Politik
    Zum Kurzlink
    101078

    Nach dem blutigen Gefecht mit den Sicherheitskräften haben sich schwer bewaffnete Angehörige der ukrainischen Nationalistenbewegung „Rechter Sektor“ in einer Ortschaft im Grenzgebiet zur Europäischen Union verschanzt. Als Bedingung für die Waffenabgabe fordern sie die Entlassung des Innenministers und die Festnahme ihrer politischen Gegner.

    Die bewaffneten Ultranationalisten hatten sich am Samstag im westukrainischen Mukatschewe (Region Transkarpatien) ein erbittertes Gefecht mit der Polizei geliefert. Nach Behördenangaben wurde mindestens ein Zivilist getötet. Vier weitere Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte wurden zum Teil schwer verletzt. Der "Rechte Sektor" berichtete von zwei Toten in den eigenen Reihen.

    Durch das Feuer aus Maschinengewehren und Panzerfäusten zerstörten die Nationalisten drei Polizeiwagen (Fotostrecke>>). Nach dem Gefecht verbarrikadierten sie sich in einer nahe liegenden Ortschaft. Soldaten des Innerministeriums und des Geheimdienstes SBU sperrten die Gegend ab und forderten die Extremisten zur Kapitulation auf. Für die Ortsbevölkerung wurde eine Evakuierungsaktion organisiert. Der SBU bezeichnete die Bewaffneten in Mukatschewe als „Verbrecher“ und versprach, „alle notwendigen Maßnahmen“ zu ergreifen, um die „Banditen“ zu entwaffnen.

    In Kiew, Lwiw und Dnipropetrowsk gingen unterdessen zahlreiche Anhänger der ultranationalistischen Organisation zu Protest auf die Straße. In der Hauptstadt campieren die Nationalisten vor dem Sitz von Staatspräsident Petro Poroschenko. Der Anführer des „Rechten Sektors“ Dmitri Jarosch rief seine Anhänger zu landesweiten Dauerprotesten auf. Die Aktionen sollten so lange dauern, bis die Schuldigen festgenommen seien, forderte Jarosch, der auch Abgeordneter des ukrainischen Parlaments und Berater des Generalstabschefs ist, am Sonntagmorgen.

    In einer auf Facebook veröffentlichen Ansprache machte Jarosch den oppositionellen Abgeordneten Michail Lanjo und den Politiker und Oligarchen Viktor Medwedtschuk für den Zusammenstoß in Mukatschewe verantwortlich und forderte deren Festnahme. Auch forderte der Nationalistenchef die Entlassung des ukrainischen Innenministers Arsen Awakow und der gesamten Polizeiführung in Transkarpatien. Mukatschewe (Munkatsch) liegt nur rund 30 Kilometer von der Grenze zu den EU-Staaten Ungarn und Slowakei entfernt.

    Die Schläger des „Rechten Sektors“ hatten bei den Krawallen auf dem Kiewer Protestplatz Maidan, die im Februar 2014 zum Sturz des Präsidenten Viktor Janukowitsch führten, eine große Rolle gespielt. Seit dem Umsturz kämpfen die Nationalisten auf der Seite der regulären Armee gegen die Regierungsgegner im Osten der Ukraine. Im April dieses Jahres teilte die Regierung in Kiew mit, dass die Schläger des „Rechten Sektors“ bei der ukrainischen Armee als Vertragssoldaten beschäftigt würden. Nationalistenchef Dmitri Jarosch wurde zum Berater des ukrainischen Generalstabschefs.

    Zum Thema:

    Rechtsradikaler Rechter Sektor verweigert Befehle aus Kiew
    Rechtsextreme Ukrainerinnen lernen bei „Rechter Sektor“ das Kämpfen
    Rechter Sektor: Poroschenko soll auf Minsker Abkommen verzichten
    Ukraine: „Rechter Sektor“ legt sich mit Poroschenko an
    Tags:
    Polizei, Inlandsgeheimdienst der Ukraine (SBU), Rechter Sektor, Petro Poroschenko, Michail Lanjo, Arsen Awakow, Viktor Medwedtschuk, Ukraine, Transkarpatien, Mukatschewe
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren