10:58 05 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Lage im Donbass (284)
    2596
    Abonnieren

    In der Nacht zum Sonntag ist die Gewalt im ostukrainischen Kriegsgebiet Donbass wieder eskaliert. Die Stadtleitung der Industriehochburg Donezk berichtete von einem massiven Artillerieangriff der ukrainischen Armee. Das ukrainische Militär bestreitet das und wirft den örtlichen Milizen vor, die Stellungen der Regierungstruppen attackiert zu haben.

    „Die Streitkräfte der Ukraine haben in der Nacht vom 11. Auf den 12. Juli den Stadtteil Kiewski massiv beschossen“, teilte das Donezker Bürgermeisteramt auf seiner Internetseite mit. Mehrere Bauten sowie eine Wasser-Kläranlage seien beschädigt worden.

    Nach Angaben des Zivilschutzministeriums der selbsterklärten Volksrepublik Donezk wurden mindestens zehn Wohnhäuser durch den Angriff beschädigt. Vor Ort seien Geschosse des Kalibers 152mm und Teile nicht identifizierter Munition gefunden worden, die vermutlich aus dem vom ukrainischen Militär kontrollierten Vorort Peski (knapp zehn Kilometer westlich von Donezk) abgefeuert worden seien, sagte ein Sprecher.

    Das ukrainische Militär wies den Vorwurf zurück. „Die Information über einen Angriff auf den Donezker Stadtteil Kiewski ist ein Versuch, die Regierungstruppen in Misskredit zu bringen“, informierte das Kommando in Kiew. Das Militär beschuldigte die Milizen, seit Samstagabend 40 Mal das Feuer auf die Regierungstruppen eröffnet zu haben.

    Das ukrainische Innenministerium bestätigte, dass sich die Gefechte im Donezbecken intensiviert haben. „An der Ostfront wurden aktive Kampfhandlungen wiederaufgenommen“, informierte Soran Schirjak, Berater des Innenministers Arsen Awakow, auf Facebook.

    Fast zeitgleich mit der Eskalation in der Ostukraine hat die ultranationalistische Organisation „Rechter Sektor“ im relativ ruhigen Westen des Landes eine Stadt angegriffen. Bei Schusswechseln zwischen schwerbewaffneten Nationalisten und Sicherheitskräften in der Stadt Mukatschewe unweit der EU-Grenze gab es am Samstagabend Tote und Verletzte. Nach dem Gefecht verschanzten sich die Ultras in naheliegenden Dorf Lawki. Die Sicherheitskräfte sperrten die Gegend ab und forderten die Extremisten zur Kapitulation auf.

    Im Donezbecken gilt eigentlich seit Februar eine Waffenruhe. Sie ist Teil eines Friedensplans, den die ukrainische Regierung und abtrünnigen Regiogen Donezk und Lugansk unter Vermittlung Deutschlands, Frankreich und Russlands bei Friedensgesprächen in Minsk ausgehandelt hatten.

    Die ukrainische Regierung hatte im April 2014 Truppen gegen Donezk und Lugansk geschickt, weil diese den nationalistischen Umsturz in Kiew im Februar nicht anerkannt und zuerst mehr Selbständigkeit gefordert und dann unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und den örtlichen Bürgermilizen sind laut den jüngsten UN-Angaben mindestens 6500 Zivilisten ums Leben gekommen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Lage im Donbass (284)

    Zum Thema:

    Poroschenko: Ukrainische Truppen in Donbass auf 60.000 Mann gewachsen
    Fast so viele Tote im Donbass wie Angehörige der ukrainischen Armee
    Donezk und Lugansk: UN sollen internationales Straftribunal für Donbass einrichten
    Kiew: 1.700 Soldaten und 7.000 Zivilisten seit Beginn der Donbass-Operation getötet
    Tags:
    Minsker Abkommen, Waffenruhe, Arsen Awakow, Donezk, Ukraine, Donbass