03:12 16 Dezember 2019
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    BRICS- und SOZ-Gipfen in Ufa

    BRICS und SOZ: Symbole der multipolaren Ordnung – Deutscher Politologe

    © Sputnik / BRICS/SCO Photohost/Vladimir Pesnya
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    Die jüngsten Gipfel der Staatenvereinigungen BRICS und SOZ liefern laut dem deutschen Politologen Alexander Rahr eine Alternative zu der bisher von den USA und der EU dominierten Welt-Wirtschaftsordnung.

    „Zwar macht man sich im Westen über beide Organisationen noch lustig und glaubt, dass sie nichts Globales ausrichten können, aber allein die Tatsache, dass Staatschefs mehrerer Länder, darunter nicht nur Mitglieder, sondern auch Partner dieser Organisationen weitgehende Entscheidungen getroffen haben, zeugt davon, dass die Sache ernst ist“, sagte er im Gespräch Sputniknews-Korrespondent Nikolaj Jolkin.

    Erstmals verabschiedeten die Staatschefs der SOZ (Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit) ein  weitreichendes Strategiepapier. Die „Strategie-2025“ sieht  für die kommenden zehn Jahre gemeinsame wirtschaftliche Projekte wie den Bau von Verkehrswegen,  eine Vertiefung der Zusammenarbeit im Energiesektor und den Abbau von Handelsbarrieren vor.

    „Nach der Verschlechterung der Beziehungen zu den USA und der EU sucht Russland nach brauchbaren Alternativen und nach neuen Märkten in Asien und Lateinamerika“, so der Russland-Experte weiter. „Der Westen wird sich damit abfinden müssen, dass sich Infrastrukturprojekte für den eurasischen Raum jetzt mit Hilfe chinesischer, russischer und indischer Gelder rasant entwickeln werden. Der Fakt, dass Indien und Pakistan jetzt fest mit der SOZ verankert sind, spricht auch dafür, dass diese Organisation zu einem der wichtigsten Sicherheitsbündnisse in Asien geworden ist.“

    Sehr hoch bewertet  Alexander Rahr auch die Tatsache, dass die BRICS-Staaten  -  als Alternative zum IWF und zur Europäischen Bank für den Wiederaufbau  - eine  eigne  Entwicklungsbank gegründet haben, die mit Beginn des nächsten Jahres erste Investitionen tätigen wird. Sie  wird wirtschaftliche Großprojekte unterstützen oder in Not geratenen BRICS-Staaten und ihren Partnern unter die Arme greifen. Vielleicht auch einmal Griechenland, obwohl es sich noch nicht daran beteiligt. 

    „Man kann die Tatsache nicht unterschätzen, dass Brasilien  -  ein Kernstaat Lateinamerikas, Südafrika  -  ein Kernstaat von Afrika, China und Indien  -  zwei Kernstaaten in Asien und Russland  - ein eurasischer Staat,  dass fünf große Mächte angetreten sind, um eine gemeinsame Bank aufzustellen und gemeinsam Regeln für die Weltwirtschaft zu entwickeln sowie, wenn es sein muss, westlichen Institutionen, wie dem IWF und der Weltbank Paroli zu bieten.“  

    Die Erweiterung der SOZ bewertet der Experte als einen neuen geopolitischen Faktor der asiatischen Sicherheitsarchitektur und die BRICS als ein neues Symbol einer im Entstehen begriffenen multipolaren Weltordnung.  Beide Organisationen seien auch notwendig geworden, um ein gewisses Maß an  Kontrolle über  das Geschehen in Afghanistan nach dem zwar sehr langsam voranschreitenden, aber nichtdestotrotz stattfindenden Abzug der NATO-Truppen aus Afghanistan zu bekommen. Dieser Abzug beunruhigt die  Nachbarländer, weil sich dadurch nicht nur  die Situation in Afghanistan verschlechtern könnte.

    „Wenn auch der Islamische Staat, diese Schreckensorganisation, die den Westen terrorisiert, in Afghanistan Fuß fasst, entsteht an den Grenzen Zentralasiens ein neuer Brennpunkt. Um das zu verhindern, wollen die SOZ-Staaten gemeinsam sicherheitspolitische Maßnahmen ergreifen.“

    Der deutsche Politologe macht auch auf den wirtschaftlichen Zusammenschluss der Staaten dieser Organisationen aufmerksam sowie auf die Verflechtung der Eurasischen Wirtschaftsunion (Armenien, Kasachstan, Kirgisistan Russland und Weißrussland) mit dem chinesischen Projekt der „Seidenstraße“. „Die Europäer haben es  seit Jahren nicht hinbekommen, mit der Eurasischen Union Verhandlungen über gemeinsame Kooperationsprojekte durchzuführen. Und jetzt wendet sich die Eurasische Union nicht Richtung  EU, sondern nach China und Asien, um Vorteile wirtschaftlicher Art für sich zu erlangen“, stellt Alexander Rahr abschließend fest.

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    Zusammenarbeit, SOZ-Gipfel in Ufa, BRICS-Gipfel 2015 in Ufa, BRICS, SOZ, IWF, EU, NATO, Alexander Rahr, USA, Russland