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10:21 22 September 2019
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    Srebrenica-Memorial Potocari

    Wiesenthal-Zentrum zu Srebrenica: Genozid-Terminus fehl am Platze

    © AP Photo / Marko Drobnjakovic
    Politik
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    Die Ermordung von Muslimen vor 20 Jahren in Srebrenica ist laut dem Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums, Efraim Zuroff, kein Genozid gewesen. Wie Zuroff in einem Sputnik-Interview sagte, wird der Terminus „Genozid“ wie der Terminus „Holocaust“ auch oft missbraucht.

    „Ich bestreite nicht, dass die serbischen Militärkräfte Muslime in Srebrenica getötet hatten. So etwas hätte nicht geschehen dürfen und die Schuldigen müssen vor Gericht gestellt werden. Aber es hat in Srebrenica keinen Genozid gegeben. Denn die Serben hatten vorher Frauen und Kinder  Srebrenica verlassen lassen“, so Zuroff. Ihm zufolge wurde das Geschehene später politisiert.

    Auch hinter der britischen Resolution zu Srebrenica, die Russland mit seinem Vetorecht im UN-Sicherheitsrat blockiert habe, stehe Politik, so Zuroff.
    Die westlichen Kräfte hätten aus den serbischen Verbrechen während der Kriege der 90er Jahre ein Symbol machen wollen, um ihr Vorgehen in Bosnien zu rechtfertigen, so Zuroff. Dabei hätten dieselben Personen, etwa Bill Clinton, es abgelehnt, die Ereignisse in Rwanda als Genozid einzustufen. Eben deshalb „sind dort so viele unschuldige Menschen gestorben“.

    Laut Zuroff wird jetzt in Europa versucht, die Definition des Wortes „Genozid“ zu ändern und die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust neuzuschreiben. „Damit wird angestrebt, zwischen dem Kommunismus und dem Nazismus ein Gleichheitszeichen zu setzen, was historisch gesehen falsch ist.  Es handelt sich in den beiden Fällen um schreckliche Verbrechen. Doch der Kommunismus plante keine Vernichtung eines ganzen Volks und keine Schaffung einer Todesindustrie, wie das bei den Nazis der Fall war. Da sich der Holocaust zu einem Symbol entwickelt hat, versuchen nun viele, jedes Verbrechen in diese Kategorie einzustufen, um Anerkennung und Entschädigung zu erlangen. Wir nennen das eine ‚Holocaust-Sehnsucht‘“, so Zuroff.

    Srebrenica-Memorial Potocari
    © REUTERS / Stoyan Nenov TPX IMAGES OF THE DAY
    Der islamische Philosoph Imran Nazar Hussein hat am Montag in einer Videoansprache an die Balkan-Muslime die Behauptung, Serben hätten einen Genozid gegen Muslime verübt, kritisiert.  Diese Ereignisse in Srebrenica seien von denselben Institutionen politisiert worden, die das Massaker dort zugelassen hatten.

    „…Die meisten orthodoxen Christen in Bosnien-Herzegowina und Serbien, ja in der gesamten Region, haben den Massenmord an den Muslimen in Srebrenica verurteilt“, sagte Hussein. Er brachte die Überzeugung zum Ausdruck, dass das Geschehene nicht Teil eines systematischen Planes war, — im Unterschied zur Situation in Hitler-Deutschland, wo der Genozid eine offizielle Politik der Machtbehörden gewesen sei.

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    Tags:
    Genozid, Srebrenica-Resolution, UN-Sicherheitsrat, Imran Nazar, Bill Clinton, Efraim Zuroff, Serbien, Srebrenica, Bosnien-Herzegowina