04:43 01 Dezember 2020
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    Das größte Erbe Barack Obamas nach seiner Amtszeit als US-Präsident wird nicht die Verbesserung der Beziehungen zum Iran, selbst wenn er sich an alle Verpflichtungen hält, sondern die Zuspitzung des kalten bzw. potentiell eines heißen Krieges mit Russland sein, schreibt der Mitbegründer der Zeitschrift „The American Conservative“ Scott McConnell.

    „In Washington weiß jeder, dass Obama und sein Umfeld dem Iran statt Russland deutlich mehr Aufmerksamkeit widmete, indem man offensichtlich dachte, dass die geopolitische Logik es nicht zulässt, dass die Beziehungen zu Moskau außer Kontrolle geraten. Doch es kam zu einer Überraschung – die bittere Ironie besteht darin, dass die USA beim Erreichen des Friedens mit dem Iran sich in einem Kriegszustand mit Russland erweisen können“, so der Experte.

    Laut McConnell hat sich die Ukraine-Politik der US-Regierung zu einer Schande entwickelt — sie unterstützt de facto Neonazis und tschetschenische Islamisten, die nahe der russischen Grenz kämpfen, während gehorsame Medien und eine nachgiebige politische Klasse wegen der „russischen Aggression“ ständig Alarm schlagen. 2012 lachten Obama und das ganze Land über die Worte seines damaligen Herausforderers Mitt Romney, als dieser Russland als Bedrohung einstufte. Niemand hat diese Warnung damals ernst genommen. Jetzt scheint es so, dass Obama sich zwar innenpolitisch Vorteile erarbeitet hat, aber außenpolitisch den Falken und Lobbyisten des aggressiv gestimmten militärpolitischen Komplexes der USA das Feld überlassen musste.

    Es kann auch eine kompliziertere Erklärung geben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die USA Russland als Feind für die eigene Selbstwahrnehmung brauchen, so McConnell. Mitte der 1980er-Jahre hatte der sowjetische Politologe Georgi Arbatow prognostiziert, dass die Sowjetunion den USA einen solchen Feind entnehmen würde – nach der Auflösung des Warschauer Pakts durch Michail Gorbatschow wussten die Amerikaner nicht, was sie weiter tun sollten. In einem Werk des bekannten US-Schriftstellers John Updike wurde sogar die Frage gestellt – „Wenn es keinen Kalten Krieg gibt, wozu sollte man dann Amerikaner sein?“ Der bekannte US-Soziologe und Politologe Samuel Huntington äußerte bereits 1997 den auch heute noch aktuellen Gedanken, dass die US-Amerikaner einen äußeren Feind brauchen, um den inneren Zerfall zu verhindern.

    „Als sich Obama und John Kerry in Gedanken irgendwo weit weg befanden, bewegte sich das System der nationalen Sicherheit der USA in Richtung Konfrontation mit Russland wegen eines Territoriums, das keine strategische Bedeutung für die USA hat. Dieser Kurs hatte eine sehr umstrittene moralische Basis“, so McConnell.

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    Tags:
    Konfrontation, Aggression, The American Conservative, John Kerry, Samuel Huntington, John Updike, Michail Gorbatschow, Georgi Arbatow, Mitt Romney, Scott McConnell, Barack Obama, Iran, Russland, USA