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    Nicht nur politischer Gewinn: Irans Markt wartet auf deutsche Investitionen – Experte

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    Atomstreit mit Iran (137)
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    Der Atomdeal mit dem Iran ist nach dem Worten von Bernd Kubbig von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung eine historische Chance, die gesamte Konfliktregion grundsätzlich und nachhaltig zum Guten zu verändern.

    „Natürlich werden USA und der Iran aus den Erzfeinden nicht über Nacht Freunde, aber beide Seiten haben erkannt, dass die erzielten Ergebnisse Vorteile für beide Seiten bringen können“, sagte er im Sputniknews-Interivew mit Nikolaj Jolkin. „Was man im Englischen eine Win-Win-Situation nennt. Und wenn Teheran und Washington jetzt damit punkten werden, sie seien der Sieger, ist es eine verständliche Rhetorik, weil beide Seiten jetzt dieses Meilenstein-Abkommen gegenüber ihren Gegnern in ihren Ländern verkaufen müssen, damit es wirklich angenommen werden kann.“

    Die Situation in den USA sieht  der Leiter der Koordinationsgruppe Raketenabwehrforschung optimistisch, weil der amerikanische Präsident den Atom-Deal mit dem Iran zu seiner Chefsache gemacht habe. „Es wird Teil seiner politischen Erbschaft, die er vermacht, genauso wie die Öffnung gegenüber Kuba. Und da er nicht wiedergewählt werden kann, wird Obama sich hier ganz klar ins Zeug legen.“

    „Im Iran sieht es möglicherweise etwas schwieriger aus“, fügte er hinzu. „Jetzt kommt es vor allen Dingen darauf an, wie das revolutionäre Establishment, vor allem die revolutionären Garden, sich verhält.“ In dieser Hinsicht hat der Friedensforscher eine gewisse Sorge, dass Rohani den revolutionären Garden etwas geben muss, und das könnte bedeuten, dass er weiterhin eine nicht konstruktive Außenpolitik führt.

    „Aber ein Großteil der Leute, vor allem der jungen Leute im Iran steht hinter diesem Dokument. Das ist ein Synonym für die Öffnung des Landes nach außen. Es gibt natürlich noch zwei Problemländer — Israel und Saudi Arabien. Doch auch da wird man das Abkommen auf eine transparente und verifizierbare Weise zu verkaufen wissen.“

    Dabei schätzt Bernd Kubbig die Rolle Russlands als wichtig und konstruktiv. „Moskau und Washington haben trotz ihrer konfrontativen Haltung in der Ukraine-Krise im Hinblick auf das Atomabkommen interessebedingt am gleichen Strang gezogen. Beiden ist an einem nuklearen Iran nicht gelegen. Der Iran darf jetzt Uran auf das Niedrigste – auf 3,67 Prozent — anreichern. Hinzu kommt, dass Russland ein Teil des übrigen Urans aufnimmt.“

    Auf die Frage, ob die USA ihr Raketenabwehrsystem in Europa jetzt nicht mehr brauchen, antwortete der Friedensforscher, dass es bereits vor dem Abkommen nicht notwendig gewesen sei. „Selbst in der Zeit von Ahmadinedschad gab es aus dem Iran keine einzige Erklärung, aus der man schließen konnte, der Iran bedroht Europa mit Raketen. Und das gilt natürlich jetzt noch in besonderer Weise.“

    Auch Deutschland könne von der Atomeinigung mit Iran mit Hinblick auf seinen hungrigen und gleichzeitig zahlungskräftigen Markt profitieren. „Für die deutschen Firmen kommt hinzu, dass sie wegen der hohen technischen Qualität ihrer Produkte und ihres verlässlichen Managements ein hohes Ansehen im Iran haben. Alle sind in diesem Land in den Startlöchern, sowohl der Mittelstand als auch die Maschinenbaufirmen, denn die ganze Infrastruktur im Energiebereich ist veraltet. Hier warten Hunderte von Milliarden, um investiert zu werden. Ich bin mir ganz sicher, dass die deutschen Firmen hier an erster Stelle stehen werden.“   

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    Tags:
    Atomprogramm, Barack Obama, Bernd Kubbig, Hassan Rohani, Deutschland, USA, Russland, Ukraine, Kuba, Israel, Iran, Saudi-Arabien