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    Experte: Sanktionen waren Eigentor - die Bedrohung geht nicht von Russland aus

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    Mit seinen Sanktionen gegen Russland hat sich der Westen laut dem Investor Mattias Westman ein „Eigentor von historischem Ausmaß“ geschossen. In einem Gastbeitrag für Focus Online erklärt der Russland-Experte, warum die westlichen Strafmaßnahmen die falsche Strategie zum falschen Zeitpunkt sind.

    Die ersten Sanktionen wurden nach dem Beitritt der Krim zu Russland verhängt. Westman, Mitgründer und Inhaber der Investmentgesellschaft Prosperity Capital Management, verweist in seinem Beitrag darauf, dass die lokale Krim-Bevölkerung die Wiedervereinigung mit Russland zu über 90 Prozent unterstütze. „Und auch angesichts der Lage in der Ostukraine würden die Menschen auf der Krim eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen nicht akzeptieren.“

    Auch die Erklärung, die Sanktionen seien notwendig, um zu verhindern, dass Russland in andere Teile der früheren Sowjetunion oder nach Polen oder in die nordischen Länder einmarschiere, zieht laut Westman nicht: „Aus russischer Sicht ist es nun einmal so, dass es durch einen Staatsstreich zum Handeln gezwungen wurde, der von ausländischen Mächten unterstützt wurde, und der sowohl Russlands wesentliche Sicherheitsinteressen bedrohte als auch das Wohl der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine.“

    „Russlands Vorgehen war in diesem Sinne defensiv, nicht offensiv. Hätte Russland vorgehabt, Kiew einzunehmen, dann hätte es das mit Leichtigkeit tun können. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass das jemals geplant war. Und es waren sicherlich nicht die Sanktionen, die ein solches Vorgehen verhindert haben.“

    Deutschlands Argument, dass die Sanktionen die ordnungsgemäße Durchführung des Minsk-Abkommens gewährleisten würden, lobt der Experte als zwar vernünftig. „Das grundlegende Problem ist aber, dass Russland die Umsetzung von Minsk II zwar wünscht, dass es aber kaum etwas dazu beitragen kann. Die Haupthindernisse für die Verwirklichung von Minsk II liegen in Kiew.“

    Das Abkommen sähe nämlich eine weitgehende Autonomie für den Osten der Ukraine vor. Doch Präsident Petro Poroschenko erklärte wiederholt, dass die Ukraine ein Einheitsstaat bleibe, und dass keine wesentliche Föderalisierung in Betracht gezogen werde. „Dadurch wird Minsk II zunichte gemacht. Möglicherweise wird also das falsche Lager mit Sanktionen belegt.“

    Auch aus wirtschaftlicher Sicht haben sich die Sanktionen als unwirksam erweisen. „Nach einem flachen Abschwung stabilisiert sich die russische Wirtschaft wieder. Dazu trägt vor allem die Importsubstitution bei, während die russischen Gegensanktionen die europäische Landwirtschaft aus dem Markt werfen.“

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    Aus geostrategischer Sicht habe sich der Westen ein „Eigentor von historischem Ausmaß“ geschossen, so der Experte weiter. „Die Nachkriegsweltordnung ist nun ernsthaft bedroht, und diese Bedrohung geht nicht von Russland aus. Die Herausforderung ist vielmehr der aufsteigende und hochgradige Unruhestifter China, der gerade versucht, das bestehende unipolare globale System auszuhebeln. Dass der Westen den russischen Bären in die Arme des chinesischen Drachen getrieben hat, darf man ihm durchaus als Akt geistiger Umnachtung auslegen.“

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    Minsker Abkommen, Sanktionen, Petro Poroschenko, China, Kiew, Ukraine, Russland