04:53 08 Dezember 2019
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    Wrackteile der in der Ukraine abgestürzten Passagiermaschine MH17

    Ukraine: Schuldige an MH17-Abschuss werden im Geheimen ermittelt

    © AFP 2019 / Dimitar Dilkoff
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    Ermittlungen zu MH17-Absturz (224)
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    Die Ergebnisse der strafrechtlichen Untersuchung zum mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine Flug MH17 im Juli 2014 über der Ost-Ukraine werden laut der ukrainischen Regierung nie an die Öffentlichkeit gelangen.

    Staatsanwälte aus der Ukraine, den Niederlanden, Belgien, Australien und Malaysia versuchen seit mehr als einem Jahr zu klären, wer an der Katastrophe mit 298 Todesopfern schuld ist. Das Außenministerium in Kiew ließ am heutigen Dienstag wissen, dass die Ergebnisse der vertraulichen Untersuchung ein Geheimnis bleiben sollen.

    „Was die kriminelle Untersuchung angeht, so ermittelt das gemeinsame Team weiter“, bestätigte Vize-Außenministerin Jelena Serkal in Kiew. „Die Ermittlungen laufen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und sind vertraulich. Die Ergebnisse werden nicht an die Öffentlichkeit getragen werden.“ Nach der Untersuchung solle ein internationales Tribunal eingeschaltet werden, um die Schuldigen „unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit“ zur Verantwortung zu ziehen.

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle 298 Insassen der Verkehrsmaschine, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur unterwegs war, kamen ums Leben. In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen werfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben.

    Weil die meisten Opfer Niederländer waren, übernahmen die Niederlande die Leitung der Ermittlungen. In ihrem Zwischenbericht im September hieß es, dass die Passagiermaschine „von einer Vielzahl hochenergetischer Objekte" getroffen worden und in der Luft auseinandergebrochen sei. In einem Endbericht im Oktober 2015 wollen die Ermittler die genaue Absturzursache nennen.

    Ermittlungen zu MH17-Absturz
    © AP Photo / Dmitry Lovetsky
    Rund ein Jahr nach der Katastrophe forderten die fünf Staaten, die sich mit den strafrechtlichen Untersuchungen befassen, die Etablierung eines UN-Tribunals. Russland lehnt dies ab. Moskau befürchtet, dass ein neues Tribunal ebenso wie einst der Gerichtshof für Ex-Jugoslawien „politisiert und ineffizient“ vorgehen und Washington nach dem Munde reden würde. Russlands Außenminister Sergej Lawrow verwies darauf, dass die MH17-Katastrophe das Ergebnis einer Kriminaltat und keine Bedrohung für den Weltfrieden sei.

    Zivile Flugzeuge wurden auch früher zum Absturz gebracht, aber niemals wurde deshalb ein UN-Tribunal einberufen. So schoss ein US-Kreuzer im Jahr 1988 ein iranisches Zivilflugzeug ab. Fünf Jahre davor hatte ein sowjetisches Kampfflugzeug eine in sowjetischen Luftraum geratene Maschine der Korean Airlines vom Himmel geholt. Am 4. Oktober 2001 schoss das ukrainische Militär bei einer Flugabwehr-Übung über dem Schwarzen Meer ein russisches Passagierflugzeug ab.

    Weiterlesen: Malaysische Boeing über Ukraine abgestürzt

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