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07:52 14 Oktober 2019
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    Kampf gegen PKK: „Erdogans Harakiri“ - Experte

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    Politik
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    Die Türkei hat jetzt im Irak den Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK neu aufgenommen. Der Friedensprozess mit den Kurden ist damit erst einmal beendet. Die politisch geschwächte türkische AKP strebt Neuwahlen an und will die Kurden schwächen. Dazu Burak Copur, Politikwissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen.

    Glauben Sie, dass die AKP bei möglichen Neuwahlen die pro-kurdische Oppositionspartei HDP schwächen will?

    Anders lässt sich nicht erklären, warum die Türkei einen solchen Zweifrontenkrieg aufmacht. Das hat zwei Motive. Außenpolitisch will man demonstrieren, man sitzt jetzt auch mit im Boot. Man meint es ernst mit der Bekämpfung des Islamischen Staates. Die innenpolitische Botschaft lautet auch an die nationalistischen Wähler: Man meint es ernst mit der PKK und ist deshalb auch aus dem Friedensprozess ausgestiegen. Damit möchte man die verloren gegangenen Wählerstimmen zurückholen. Die sind zum Beispiel an die ultranationalistische MHP gegangen, und man möchte die kurdische Partei HDP unter die 10-Prozent-Hürde drücken.

    Was hat die HDP mit der PKK zu tun?

    Es gibt Querverbindungen zwischen der PKK und der HDP. Da gibt es konkrete Netzwerke und Beziehungen. Die HDP ist auch eine Vermittlungsinstanz in den Friedensgesprächen zwischen der Türkei und der PKK gewesen.

    Die Türkei hat nach jüngsten Berichten auch Stellungen der kurdischen Volksschutzeinheiten in Syrien angegriffen. Ist der Kampf gegen den IS wohl doch mehr einer gegen die Kurden?

    Mit diesem Kampf gegen die PKK schwächt die Türkei einen wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den IS. Das ist ein gefährliches Spiel, welches die Türkei dort treibt. Die Lage kann weiter eskalieren. Der IS ist völlig unberechenbar.

    Wie clever ist es dann, gleich an zwei Fronten zu kämpfen?

    Das ist Erdogans Harakiri. Die Rechnung muss nicht aufgehen, dass die nationalistischen Stimmen zurückgeholt werden und die HDP unter zehn Prozent gedrückt wird, damit die AKP wieder allein regieren kann. Der Schuss kann nach hinten losgehen, wenn es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommt.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, Syrien, Türkei