00:55 25 April 2017
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    Recep Tayyip Erdogan

    Westen muss Erdogans Amoklauf stoppen - Experte

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    Politik
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    Für den Westen ist es fünf vor 12 – Erdogan muss Einhalt geboten werden, so der Türkei-Experte Dr. Burak Copur. Erdogan trägt eine ganz große Verantwortung für die Unruhen in der Türkei. Die EU muss den Amoklauf von Erdogan stoppen, genauso wie sie sich mit guten Argumenten gegen den letzten Irakkrieg von George Bush gestellt hat.

    „Von Erdogan geht im Moment eine fast genauso große Gefahr aus, wie damals von US-Präsident George  W. Bush“, äußerte  der Politikwissenschaftler am Institut für Turkistik der Uni Duisburg-Essen, in einem Sputniknews-Interview mit Bolle Selke.  „Erdogan ist auch bereit,  eine ganze Region für seinen innenpolitischen Machterhalt in Brand zu stecken. Damit ist Erdogan auch nichts weiter als der George W. Bush des Nahen Ostens."

    "Wenn der Westen so weiter macht,  kann es sein, dass der IS weitere Erfolge einfährt“, meinte der Experte. „Es ist richtig, dass die größte Bedrohung für den Weltfrieden vom IS ausgeht, aber bei der Bekämpfung des IS ist es auch ein Fehler, die Kurdenfrage davon abzukoppeln, wie es die USA in der Vereinbarung mit der Türkei getan haben. Der Kurdenkonflikt ist längst nicht mehr nur eine innenpolitische Angelegenheit der Türkei, mittlerweile hat sich der Kurdenkonflikt internationalisiert, das heißt, der Westen darf sich deshalb nicht hier von Erdogans Machterhaltungstrieben instrumentalisieren lassen. Denn gerade die Kurden sind ja die treuesten Verbündeten im Kampf gegen den IS.“

    "Die Bekämpfung des IS ist letztlich für Erdogan ein Vorwand, um seinen machtpolitischen Interessen näher zu kommen, nämlich möglicherweise die Wahlen zu wiederholen“, so Dr. Copur. „ Er versucht jetzt sein Präsidialsystem, dass er bei den letzten Wahlen nicht verwirklichen konnte, nun auf brutalem Wege in die Realität umzusetzen."

    "Erdogan hat den Kurdenkonflikt und die Friedensverhandlungen dafür genutzt, um die Kurden für die Einführung eines Präsidialsystems zu instrumentalisieren. Ab dem Zeitpunkt, wo die Kurden diesen autokratischen Regimewechsel nicht mitgegangen sind, hat Präsident Erdogan den Verhandlungstisch verlassen."

    "Die PKK macht selbst auch strategische Fehler und liefert somit auch eine Schützenhilfe für Erdogan“, räumte der Experte ein. „Durch die Tötung von zwei Polizisten spielt sie ihm damit in die Hände. Wenn die PKK so weiter macht, macht sie sich zum Wahlkampfhelfer des Präsidenten Erdogan."

    "Erdogan versucht die pro-kurdische HDP zu kriminalisieren. Er versucht, die HDP unter die 10-Prozent-Hürde zu drücken. Dafür heizt er im Moment den Kurdenkonflikt an und versucht auch gleichzeitig an die nationalistischen Stimmen zu kommen, die er bei den letzten Wahlen an die ultranationalistische MHP verloren hat."

    "Ein Bürgerkrieg in der Türkei ist im Moment nicht auszuschließen“, fügte er hinzu. „Die Probleme vor Ort spitzen sich tagtäglich zu,  und dieser Konflikt kann tatsächlich eskalieren. Auch Präsident Erdogan kann hier die Kontrolle entgleiten. Dann befindet sich die Türkei tatsächlich in bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Das kann natürlich auch große Probleme für die gesamte Region mit sich bringen."

    "Wenn der Westen so weiter macht,  kann es sein, dass der IS weitere Erfolge einfährt. Es ist richtig, dass die größte Bedrohung für den Weltfrieden vom IS ausgeht, aber bei der Bekämpfung des IS ist es auch ein Fehler, die Kurdenfrage davon abzukoppeln, wie es die USA in der Vereinbarung mit der Türkei getan haben. Der Kurdenkonflikt ist längst nicht mehr nur eine innenpolitische Angelegenheit der Türkei, mittlerweile hat sich der Kurdenkonflikt internationalisiert, das heißt, der Westen darf sich deshalb nicht hier von Erdogans Machterhaltungstrieben instrumentalisieren lassen. Denn gerade die Kurden sind ja die treuesten Verbündeten im Kampf gegen den IS.“

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Kurden, Recep Tayyip Erdogan, USA, Türkei