16:44 31 März 2020
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    Die Bürgermeister der japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, auf die die USA im August 1945 zwei Atombomben abgeworfen hatten, wünschen von Washington eine Entschuldigung. Dem russischen Japan-Experten Valeri Kistanow scheint die Regierung in Tokio jedoch kein Interesse daran zu haben.

    Vor 70 Jahren waren in Hiroshima und Nagasaki Hunderttausende Menschen getötet worden. Viele weitere starben Jahre später an der Strahlenkrankheit. Die meisten Opfer waren Zivilisten. Deshalb waren die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki Kriegsverbrechen.

    Die japanischen Behörden und Medien gehen mit diesem Thema von einem sehr merkwürdigen Standpunkt aus um, findet Kistanow. Kaum jemand schreibt über die Gründe, warum die USA auf ein so barbarisches Kriegsmittel zurückgriffen. Im Gegenteil: Japanische Medien und Politiker umgehen und verschweigen dieses heikle Thema.

    Über die Atombombenabwürfe wird immer abstrakt gesprochen, ohne dass gleichzeitig das Land genannt wird, das dafür verantwortlich ist. Die USA werden also nicht erwähnt. Der Grund dafür ist ganz einfach: Washington ist der wichtigste militärpolitische Verbündete Tokios.

    Noch mehr als das: Japan, das unter den US-Atombombenabwürfen sehr leiden musste, befindet sich derzeit unter dem US-amerikanischen Atomschild. Deshalb nehmen viele Japaner Amerika als einzigen Garanten ihrer Sicherheit angesichts des erstarkenden Chinas wahr.

    Derzeit ist in Japan die These von der chinesischen Militärgefahr im Umlauf, weshalb das japanisch-amerikanische Sicherheitsabkommen große Bedeutung hat. Deswegen umgehen die Politiker in Tokio das Thema Verantwortung der USA für die Atombombenabwürfe.

    Washingtons offizielle Position besteht darin, dass diese Angriffe das Ziel gehabt hatten, Japans Kapitulation in Zweiten Weltkrieg voranzubringen und dadurch Zehntausende Menschenleben zu retten – sowohl von US-Soldaten als auch von japanischen Zivilisten. Diese Opfer wären sonst im Falle einer Invasion der US-Truppen auf die größten japanischen Inseln unvermeidlich gewesen.

    Amerikanische Historiker tendieren jedoch dazu, dass für die Kapitulation Japans nicht die US-Atombombenangriffe entscheidend waren, sondern die plötzliche Intervention der Sowjetunion gegen Japan. Damit räumen die Amerikaner selbst ein, dass die barbarischen Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki hätten vermieden werden können.

    Laut WikiLeaks wollte Barack Obama 2009 Hiroshima besuchen und sich bei dem japanischen Volk offiziell entschuldigen. Dieses Thema soll er mit dem japanischen Vizeaußenminister Mitozi Yabunaka besprochen haben.

    Zudem schickte das US-Außenministerium auf Verfügung der damaligen Chefdiplomatin Hillary Clinton ein offizielles Schreiben an Japan, in dem Obamas Absicht, sich für die Atombombenabwürfe zu entschuldigen, geäußert wurde.

    Yabumaka riet den Amerikanern jedoch davon ab und nannte eine solche Entschuldigung „verfrüht“. Experten zufolge hatten die japanischen Behörden plötzlich Angst, dass Obamas Teilnahme an einer Zeremonie am Tag des Angriffs auf Hiroshima den Gegnern eines Militärbündnisses mit den USA in die Karten spielen könnte.

    Da sich der japanische Premier Shinzo Abe derzeit um eine Annäherung an die USA als wichtigsten Sicherheitsgaranten für sein Land bemüht, kann man sicher sein, dass Tokio keine Entschuldigung für die Atombomben fordern wird.

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    Tags:
    Barack Obama, Hillary Clinton, Japan, USA