21:59 25 April 2019
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    Stalin sah von Okkupation Hokkaidos ab - Angst vor US-Atombombe?

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    Das Magazin „Foreign Policy“ hat einen Beitrag des Historikers Sergej Radtschenko russischer Herkunft unter der provokatorischen Überschrift „Did Hiroshima Save Japan From Soviet Occupation?“ veröffentlicht. Der Autor setzt sich mit Problemen der Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA nach dem Atombombenabwurf auf zwei japanische Städte.

    In dem Beitrag führt Radtschenko überzeugend vor Augen, dass Josef Stalin die Idee einer Okkupation Hokkaidos im August 1945 nicht aus Angst vor der US-Atombombe nach der nuklearen Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki durch die USA verworfen hatte. Vielmehr habe Stalin damit gerechnet, die Verbündetenbeziehungen mit den USA aufrechtzuerhalten.

    Der prominente russische Orientalist Dmitri Strelzow, Professor an der Moskauer Staatlichen Hochschule für internationale Beziehungen, nahm auf Bitte von Radio Sputnik Stellung zu dieser komplizierten Periode der Geschichte. „Soviel ich weiß, war es zum Zeitpunkt des Atombombardements von Hiroshima und Nagasaki noch nicht bekannt, wie und ob sich der Einsatz von Atombomben auf Stalins Pläne einer Okkupation von Hokkaido ausgewirkt hat“, sagte der Historiker. Er hatte den russischen Teil eines russisch-japanischen Projekts zur Herausgabe einer großen wissenschaftlichen Arbeit zur Geschichte der russisch-japanischen Beziehungen geleitet. Die russische Fassung wurde bereits veröffentlicht. Die Arbeit soll demnächst in Japan erscheinen.

    „Die Frage wurde etwa Mitte August 1945 gelöst. Es geht um einen Brief Stalins an (US-Präsident Harry) Truman und um dessen Antwort an Stalin. Aber das Atombombardement hatte mit diesen beiden Briefen nichts zu tun, weil die Folgen des Atombombenabwurfs zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt und die zerstörerische Kraft dieser Waffe noch nicht ganz klar war. In dieser kurzen Zeit konnte man (in der UdSSR) kaum abschätzen, wie grauenhaft die Atomwaffen sind, und vor den Amerikanern nicht zurückschrecken“, sagte Strelzow.

    „Bekannt ist, dass Stalin in seinem Brief an Truman eine Teilnahme der sowjetischen Truppen an der Besetzung der Kurileninseln und eines Teils von Hokkaido gefordert hatte. Seine Forderung begründete Stalin mit der ‚russischen öffentlichen Meinung‘, die sich beleidigt gefühlt hätte, wenn die UdSSR an der Besetzung des japanischen Territoriums nicht beteiligt gewesen wäre. In seinem Antwortschreiben – wenn ich mich nicht täusche vom 19. August – stimmte Truman der sowjetischen Teilnahme an der Besetzung der Kurileninseln zu, lehnte aber einen Einsatz der Sowjettruppen an der Okkupation von Hokkaidos kategorisch ab. Damit war dieses Problem zwischen den beiden Verbündeten vom Tisch.“

    „Es wäre lächerlich, den Verzicht Stalins auf Pläne zur Besetzung von Hokkaido mit seiner Angst zu erklären. Deshalb war das Atombombardement von Hiroshima und Nagasaki keine edle Tat gutmütiger Amerikaner, die Japan somit vor Gräueltaten der sowjetischen Okkupation bewahrt hatten. Das war eine barbarische Aktion zur Tötung der friedlichen Bevölkerung.“ Das sei ein Verbrechen gewesen, das von einem Tribunal behandelt werden sollte, betonte der Historiker.

    Der russische Verband der Afghanistan-Veteranen will in nächster Zeit das Außenministerium Russlands ersuchen, die Bildung eines internationalen Tribunals zum Atombombardement von Hiroshima und Nagasaki im Jahr 1945 zu initiieren, teilte Verbandschef Franz Klinzewitsch in der Staatsduma mit. „Der Abwurf von Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki soll als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden“, forderte der Vizefraktionschef der Regierungspartei Geeintes Russland.

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    Tags:
    Okkupation, Atomwaffen, Foreign Policy, Sergej Radtschenko, Dmitri Strelzow, Harry Truman, Josef Stalin, USA, Hokkaido, Hiroshima, Nagasaki, Japan, UdSSR