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    Ermittlungen zu MH17-Absturz (224)
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    Mehr als ein Jahr nach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ost-Ukraine ruft das russische Außenministerium zur Veröffentlichung aller noch unbekannten Informationen über die Katastrophe mit 298 Todesopfern auf.

    „Wir rufen alle Staaten, die über irgendwelche Informationen verfügen, dazu auf, diese publik zu machen“, sagte Maria Sacharowa, die neue Leiterin der Informations- und Presseabteilung des Außenamtes, am Montag im russischen Fernsehen. Russland sei „mehr als jemand anderes daran interessiert, dass die Wahrheit geklärt wird und an die Öffentlichkeit gelangt. Das muss auf völkerrechtlicher Grundlage geschehen. (…) Darauf werden wir hinarbeiten.“

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgestürzt. Alle 298 Insassen der Verkehrsmaschine, die von Amsterdam nach Kuala Lumpur unterwegs war, kamen ums Leben. In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen werfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben.

    Schon vier Tage nach der Katastrophe veröffentlichte der russische Generalstab seine Radardaten und rief die USA dazu auf, ebenfalls ihre Satellitenaufnahmen und andere Angaben offenzulegen. Die USA taten das nicht. Auch die Ukraine will die Gespräche ihrer Fluglotsen nicht veröffentlichen.

    Weil die meisten Opfer Niederländer waren, übernahmen die Niederlande die Leitung der Ermittlungen. In ihrem Zwischenbericht im September hieß es, dass die Passagiermaschine „von einer Vielzahl hochenergetischer Objekte" getroffen worden und in der Luft auseinandergebrochen sei. In einem Endbericht im Oktober 2015 wollen die Ermittler die genaue Absturzursache nennen.

    Rund ein Jahr nach der Katastrophe forderten die fünf Staaten, die sich mit den strafrechtlichen Untersuchungen befassen, die Etablierung eines UN-Tribunals. Russland lehnt dies ab. Moskau befürchtet, dass ein neues Tribunal ebenso wie einst der Gerichtshof für Ex-Jugoslawien „politisiert und ineffizient“ vorgehen und Washington nach dem Munde reden würde. Russlands Außenminister Sergej Lawrow verwies darauf, dass die MH17-Katastrophe das Ergebnis einer Kriminaltat und keine Bedrohung für den Weltfrieden sei. Russland fordert eine umfassende Ermittlung in Sinne der Resolution 2166 des UN-Sicherheitsrats vom 21. Juli 2014.

    Zivile Flugzeuge wurden auch früher zum Absturz gebracht, aber niemals wurde deshalb ein UN-Tribunal einberufen. So schoss ein US-Kreuzer im Jahr 1988 ein iranisches Zivilflugzeug ab. Fünf Jahre davor hatte ein sowjetisches Kampfflugzeug eine in den sowjetischen Luftraum geratene Maschine der Korean Airlines vom Himmel geholt. Am 4. Oktober 2001 schoss das ukrainische Militär bei einer Flugabwehr-Übung über dem Schwarzen Meer ein russisches Passagierflugzeug ab.

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    MH17, USA, Moskau, Russland, Ukraine