18:58 19 August 2017
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    Russlands Präsident Wladimir Putin

    Putin Vorbild und einzige Hoffnung für den Balkan?

    © AP Photo/ Pavel Golovkin
    Politik
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    Auf dem Balkan haben viele Menschen hohe Achtung vor Russland, was gegebenenfalls auch demonstriert wird: In Sarajevo tragen Studenten Putin-Shirts und bezeichnen den russischen Staatschef als einzige Hoffnung für den Balkan; in Belgrad hängen Plakate, auf denen Russland als großer Bruder gepriesen wird, wie das „Handelsblatt“ schreibt.

    Die Zeitung führt die Meinungen mehrerer Bewohner der Region an. Der Korrespondent des Blattes traf sich in Sarajevo unter anderem mit dem 23-jährigen bosnischen Studenten Darijo Marakovic. Wie der Journalist berichtet, trug Darijo ein T-Shirt mit Putin-Bild und bezeichnete den Kreml-Chef als Vorbild und einzige Hoffnung für den Balkan. Zwar werde diese Meinung nicht überall vertreten, doch es gebe immer mehr „wir Russen“, wie Darijo sich selbst und seine Kameraden nennt.

    Konterfei Putins auf einer grünen Ampel im Zentrum Moskaus
    © AFP 2017/ Yuri Kadobnov
    Nicht viel anders sehe es auch in Serbien aus: „In dem EU-Beitrittsland ist Russland omnipräsent. In der serbischen Hauptstadt Belgrad grüßt Putin nicht von den T-Shirts und Kapuzenpullis der Jugend, sondern von großflächigen Plakaten am Straßenrand. Russland wird an vierspurigen Straßen als ,großer slawischer Bruder’ gepriesen, Präsident Putin als,vorbildlicher Slawe’“, berichtet das Blatt.

    Nach Angaben der Zeitung befürworten die Bürger des Landes mit einer klaren Mehrheit eine Annäherung an Russland. Dazu gehört auch Marija Seijic, eine 73-Jährige Serbin, mit der das „Handelsblatt“ ein Gespräch führte. Seijic habe „schreckliche Kriege, Hungersnöte und Überschwemmungen überlebt“, und das Einzige, was ihr heutzutage noch helfen könne, sei „Mütterchen Russland“.

    Ausgerechnet Russland habe, so die Zeitung, „schnell und unbürokratisch“ geholfen, als es im vergangenen Jahr auf dem Balkan eine große Überschwemmung gab: „Dutzende Menschen starben, Hunderte warteten tagelang obdachlos auf Hilfe, Tausende mussten ihre Heimat verlassen. In Brüssel wurde über eine Hilfsaktion diskutiert, vor Ort halfen: die Russen. Der Kreml schickte Hubschrauber, schweres Räumgerät, Care-Pakete und Helfer.“

    Darüber hinaus fühle sich Russland den slawischen und orthodoxen Gebieten des Westbalkans traditionell eng verbunden, betont das Blatt.

    Zur gleichen Zeit sorge die Annäherung des Balkans und Russlands für Unruhe im Westen: Unter anderem habe US-Außenminister John Kerry gesagt, dass Serbien, Kosovo, Montenegro und Mazedonien sich in einer „Schusslinie“ Russlands befinden.

    Wladimir Putin
    © REUTERS/ Pavel Golovkin/Pool
    Nach Meinung des Balkan-Experten Dusan Reljić von der Stiftung Wissenschaft und Politik gibt es einen einfachen Grund dafür, dass die Bürger der Region zu Russland neigen: Die ökonomische Transition habe auf dem Balkan nach Ende des Sozialismus nur in Teilen funktioniert und die Versprechen der EU seien nicht eingehalten worden. Darüber hinaus bestünde zurzeit „die Gefahr eines großen wirtschaftlichen Rückschritts“ auf dem Balkan. Deshalb wünschten sich einige Politiker in einem solchen Klima ein „Gegenprojekt zur EU“.

    Dennoch halte Reljić die „Hysterie um Russland“ auf dem Balkan für nicht gerechtfertigt, schreibt das „Handelsblatt“. Nach Ansicht des Experten habe Russland einen beschränkten Einfluss auf die Politik der Region, wobei das Land im Energiesektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die EU-Beitrittskandidaten in Südosteuropa sei. Doch im Allgemeinen sei zum Beispiel Serbien „auf  Europakurs“, habe jedoch zur gleichen Zeit „Russland im Rückspiegel“.

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    Tags:
    T-Shirt, Handelsblatt, EU, John Kerry, Darijo Marakovic, Wladimir Putin, Mazedonien, Montenegro, Kosovo, Serbien, Russland, Sarajevo, Belgrad, Bosnien-Herzegowina
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