00:32 26 Juli 2017
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    Fiasko der Politik Warschaus: 500.000 ukrainische Flüchtlinge in Polen - Experte

    © Sputnik/ Mikhail Voskresenskiy
    Politik
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    Das Problem der ukrainischen Emigration nach Polen wird heute zu einem Problem für die Behörden. Fast eine halbe Million Flüchtlinge aus der Ukraine befinden sich in Polen, und diese Welle flaut wegen des anhaltenden Konflikts in der Ukraine nicht ab. Wie soll man damit fertigwerden?

    „Man muss gegen die Ursachen, nicht aber gegen die Folgen ankämpfen“, so Konrad Rękas, Vizepräsident des Europäischen Zentrums für geopolitische Analyse, in einem Interview für Sputnik Polska. „Denn die Emigration der Ukrainer nach Polen ist lediglich das Ergebnis des Bürgerkriegs und des Konflikts, der vom Westen, von Amerika, und ebenso leider von der Europäischen Union unter Polens Teilnahme provoziert wurde.“

    „Gerade diese Gefahr, von der wir jetzt sprechen, widerspiegelt sehr genau das Fiasko der polnischen Politik hinsichtlich des ukrainischen Konflikts“, betonte der Experte. „Von Anfang an hatten manche Kreise und Beobachter von polnischer Seite her gewarnt, dass der intensiver werdende militärische Konflikt in der Ukraine und die neuen Wirtschaftsprobleme zur Emigration führen werden.“

    „Das stellt In Polen ein ernsthaftes soziales Problem dar, besonders in einer Situation, wo parallel hierzu die sogenannte ‚legale‘ Emigration andauert: Die Arbeitsemigration – die Emigration von Arbeitskräften und Studenten. Die Emigranten schaffen ihrerseits geschlossene Enklaven, denen gegenüber keine Migrations-, Kultur- und Erziehungspolitik angewandt wird. Über sie ist es, den Erwartungen zuwider, unmöglich, Einfluss auf die Situation in der Ukraine zu nehmen. Im Gegenteil – man nimmt sie mit einem  riesigen ‚Gepäck‘ an antipolnischen Stimmungen, an Spannung und Kriegsatmosphäre auf, die gegenwärtig in der Ukraine herrscht.“

    Mehr als 20.000 ukrainische Studenten studieren an polnischen Lehranstalten. 35 Prozent der befragten Polen empört der Dünkel ukrainischer Emigranten, insbesondere ihr Fotografieren vor dem Hintergrund von Fahnen der UPA, der Ukrainischen Aufstandsarmee. Um die Kiewer Behörden zu unterstützen, verschließt Warschau die Augen vor dem empörenden Auftreten mancher Emigranten, die Banderas Ideen propagieren. Wird es dem neuen Präsidenten gelingen, dem Einhalt zu gebieten?

    „In Lublin, im Osten Polens, studieren mehr als 3.000 ukrainische Studenten. Gerade in dieser Stadt hört man von überall her die ukrainische Sprache, ukrainische Musik, darunter Kampflieder der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Diese jungen Leute verhalten sich aggressiv, und sie integrieren sich nicht in das polnische Umfeld, ja mehr noch, der ethnische Konflikt wird von einem sozialen Konflikt überlagert. Ein großer Teil dieser jungen Leute nutzt die freigebige Hilfe des polnischen Staates und schöpft zugleich Mittel, die aus der Ukraine kommen, denn es ist für niemanden ein Geheimnis, dass es nicht Kinder aus armen bedürftigen Familien sind, mit Ausnahme einer zahlenmäßig kleinen Gruppe von Nachfahren jener Polen, die in den grenznahen Gebieten leben.“

    „Teilweise sind es Kinder der heutigen politischen und ökonomischen Elite der Ukraine, die  hier eine langjährige und vielseitige Unterstützung genießen, aber ein zivilisiertes Zusammenleben verschiedener Völker nicht erlernen können“, stellt Rękas fest. „Die Öffentlichkeit hatte die Behörden mehrfach darauf hingewiesen. Aber wird der neue Präsident einen solchen Stand der Dinge ändern können?“

    „In der Anfangsetappe der Präsidentschaft werden Umfragen und Erforschungen der öffentlichen Meinung den Regierungsstil des Präsidenten bestimmen, die zeigen werden, was die polnische Gesellschaft eigentlich von ihm erwartet, auch hinsichtlich der ukrainischen Krise. Sollte die polnische Gesellschaft, und darauf weist alles hin, gegen die Offenbarungen von Banderas Ideen unter den ukrainischen jungen Leute vorgehen wollen, wird Duda ebenfalls eine Position im Einklang mit den polnischen Interessen vertreten. Allerdings hege ich Zweifel daran, wie viel der Präsident hierzu sagen wird, und was er selbst und seine Partei real in dieser Richtung tun werden“, so der Experte abschließend.

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    Tags:
    Migranten, Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), EU, Konrad Rękas, USA, Polen, Ukraine
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