SNA Radio
    Der SPD-Politiker Egon Bahr

    Bahrs Vermächtnis: Washington und Moskau tragen Hauptverantwortung für Weltfrieden

    © AP Photo / Fabian Bimmer
    Politik
    Zum Kurzlink
    6461

    Der am Donnerstag verstorbene „Architekt der deutschen Ostpolitik“ Egon Bahr hat erst vor einem knappen Monat Russland besucht. Aus Anlass der Präsentation des Buches „Am Abgrund“ des CSU-Veteranen Wilfried Scharnagl, in dem dieser für einen anderen Umgang mit Russland plädiert, hielt Bahr eine Ansprache, die heute wie ein Vermächtnis wirkt.

    Bahr erinnerte an die deutsche Ostpolitik von 1969, die dazu beigetragen hat, erstarrte Fronten aufzulösen, und fragte, ob das heute wiederholbar sei. „Damals wie heute liegt die Hauptverantwortung in Washington und Moskau. Ohne und gegen ihre Macht ist keine Regelung denkbar, die dem Anspruch auf friedliche nachhaltige Stabilität gerecht werden kann.“

    „Zwar sind in den 45 Jahren seither die beiden Großen schwächer geworden, aber damals wie heute werden sie offene Gewaltanwendung gegeneinander vermeiden. Die Erhaltung des Status quo hieß: Berlin, Deutschland und Europa wären keinen Krieg wert.“

    „Das gilt heute für die Ukraine und die Krim“, sagte Bahr in Moskau. „In beiden Fällen sind die geostrategischen Fragen wichtiger, die ihr politisches Zusammenwirken verlangen. Russland wird allein bestimmen, welche Schritte es gehen wird. Es wird eine Demokratie a la Russe sein. Was kann der Westen anbieten? Die monarchistischen Modelle in London oder in Tokyo oder die erfolgreichste Einparteienherrschaft in Singapur —  ich habe auch noch keine Erwägung gehört, Sanktionen gegen China oder Saudi Arabien zu verhängen, weil sie nicht unseren demokratischen Vorstellungen entsprächen.“

    „Wir wollen wie damals eine festgefahrene Situation ändern und könnten bei einer positiven Resonanz auch alle Sanktionen beenden. Das liegt in unserer Kompetenz und entspricht unserem Interesse, auch dem unserer Wirtschaft. Ja, das sind Vorleistungen,  sie erinnern an das Wort von Brandt:  ‚Manchmal muss man sein Herz am Anfang über die Hürde werfen.‘ Das war damals schwerer als heute.“

    „Dass Obama Russland zu einer Regionalmacht herabgestuft hat, begegnet Putin, indem er beweist, dass ohne und gegen ihn keine dauerhafte Regelung möglich ist. Er hat die begründete Hoffnung, länger im Kreml zu regieren als Obama im Weißen Haus.  Diese Zeitspanne und Perspektive reicht bis 2017 die kürzere reicht bis zum Ende dieses Jahres, für die vereinbarte Einhaltung des Minsker Abkommens II, wofür die Amerikaner mehr Einwirkungsmöglichkeiten haben als die Russen. Was auch immer dabei herauskommen wird, es kann nichts an dem Kurs der Bundesregierung ändern, die Beziehungen zu dem unentbehrlichen Amerika wie zu dem unverrückbaren Russland zu pflegen.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Ein anderer Umgang mit Russland ist gefragt – CSU-Veteran Scharnagl
    Tags:
    CDU/CSU, SPD, Wladimir Putin, Egon Bahr, Deutschland, Russland, Ukraine, China, Singapur, Krim