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    Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko

    Unabhängigkeitsfeier: Poroschenko erzählt von riesigen Panzerkolonnen aus Russland

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    Petro Poroschenko spricht wieder von Waffenlieferungen aus Russland an die Milizen im Donbass. In seiner Ansprache zum ukrainischen Unabhängigkeitstag berichtete er von mehr als 1.000 Panzern und Geschützen, die über die ukrainische Grenze gerollt sein sollen. Russische Politiker attestieren dem ukrainischen Staatschef Realitätsverlust.

    „Moskau hat bis zu 500 Panzer, 400 Artilleriesysteme und bis zu 950 gepanzerte Kampffahrzeuge an die Milizen geliefert“, sagte Poroschenko während der Militärparade in Kiew. „Allein in dieser Woche haben drei große Kolonnen unsere Grenze Richtung Lugansk, Donezk und Debalzewe überquert.“

    Die Quelle für seine Angaben nannte der ukrainische Staatschef nicht. Er warf jedoch Russland vor, die Situation in seinem Land destabilisieren und die Ukraine mit ihren westlichen Partnern „verfeinden“ zu wollen. Doch sei die Ukraine stark genug, um eine Abfuhr zu erteilen, Russland würde einen hohen Preis zahlen müssen, beteuerte Poroschenko. Die Ukraine begeht am heutigen Montag 24 Jahre ihrer Unabhängigkeit.

    Wieder keine Beweise

    Das russische Verteidigungsministerium hat Poroschenkos Statement bislang nicht kommentiert. Zuständige Vertreter des Föderationsrats und der Staatsduma (Parlamentskammern) wiesen seine Anschuldigungen zurück und forderten Beweise.

    „Diese Erklärungen zeigen, dass Petro Poroschenko der Realität weit entrückt ist und kaum noch ernst genommen werden kann“, kommentierte Viktor Oserow, Leiter des Verteidigungsausschusses des Föderationsrats (Parlamentsoberhaus). Die Verlegung von derart großen Mengen an Technik würde sich leicht mithilfe von Satelliten und anderen technischen Mitteln registrieren lassen. „Wenn es solche Kolonnen wirklich gegeben hätte, hätten die USA darüber schon längst die ganze Welt informiert und eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates und des Nato-Rates einberufen.“

    Franz Klinzewitsch vom Verteidigungsausschuss der Staatsduma forderte Poroschenko auf, seine Behauptungen mit Beweisen zu untermauern. „Poroschenko hat einfach keine Ahnung davon, was 500 Panzer sind: Mit modernen Techniken ist sogar die Aufschrift auf einer Zündholzschachtel aus dem Weltraum sichtbar, ganz zu schweigen von einer Panzerkolonne.“

    Seit Beginn der ukrainischen Militäroperation gegen die abtrünnigen Industrieregionen Donazk und Lugansk haben Kiewer Politiker mehrmals über einen russischen „Einmarsch“ in die Ukraine berichtet. Beweise dafür wurden nie vorgelegt. Bereits vor einem jahr erzählte der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko persönlich dem britischen Premierminister David Cameron am Telefon über die Zerschlagung einer „russischen Militärkolonne“. Russland wies die Vorwürfe zurück. Auch die OSZE-Beobachter teilten mit, keine Militärkolonne beim Überqueren der Grenze gesichtet zu haben. Kurz gestand auch der ukrainische Nachrichtendienst ein, dass es keine russische Kolonne gegeben habe.

    Im Januar gestand der ukrainische Generalstab offiziell ein, dass keine regulären Truppen Russlands am militärischen Konflikt im Osten der Ukraine beteiligt sind. Doch schon eine Woche später berichtete Regierungschef Arseni Jazenjuk dem US-Außenminister John Kerry, dass die ukrainische Armee im Osten des Landes nicht gegen Aufständische, sondern gegen reguläre Truppen Russlands kämpfe.

    Der militärische Konflikt in der Ost-Ukraine war Anfang 2014, kurz nach dem Februar-Umsturz in Kiew ausgebrochen. Die neue ukrainische Regierung schickte Truppen gegen die östlichen Kohlebergbau-Gebiete Donezk und Lugansk, weil diese den nationalistisch geprägten Machtwechsel nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten. Bei den Gefechten sind laut UN-Angaben bislang fast 7000 Zivilisten ums Leben gekommen.

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