15:19 17 Juni 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel in Heidenau

    „Volksverräterin“ – Demonstranten buhen Merkel bei Besuch von Flüchtlingsheim aus

    © REUTERS / Axel Schmidt
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    Angela Merkel hat am Mittwoch der sächsischen Stadt Heidenau, wo es am Wochenende zu schweren Ausschreitungen von Rechtsextremen gekommen war, einen Besuch abgestattet. Deutsche Demonstranten haben die Bundeskanzlerin ausgepfiffen und Schimpfwörter skandiert, berichtet „Der Spiegel“.

    Am Mittwoch reiste die Bundeskanzlerin, wie zuvor geplant, nach Heidenau, wo es in den letzten Tagen zu mehreren Zwischenfällen gekommen war, bei denen radikal eingestellte Demonstranten versuchten, Migranten am Einzug in für sie gebaute Flüchtlingsheime zu hindern.

    Wie „Der Spiegel“ schreibt, hat eine Gruppe rechtsradikaler Demonstranten die Kanzlerin bei der Einfahrt in die Flüchtlingsunterkunft ausgepfiffen und ihr „Volksverräter, Volksverräter" nachgeschrien. Darüber hinaus seien während des Besuchs der Kanzlerin mehrere Autos hupend an der Unterkunft vorbeigefahren.

    Am 21. August hatten Demonstranten im sächsischen Heidenau gegen den Einzug der ersten Bewohner in ein Asylbewerberheim protestiert. Sie hatten vor dem ehemaligen Baumarkt Blockaden errichtet und Polizisten angegriffen. In der Nacht zum Sonntag war es zu weiteren Ausschreitungen gekommen. Bei den Zusammenstößen wurden 30 Polizisten verletzt. Am Ende wurde rund um das Gebäude eine Sicherheitszone eingerichtet.

    Am frühen Montagmorgen geriet ein geplantes Heim für Flüchtlinge in Unterweissach im Rems-Murr-Kreis in Brand. Die Polizei schließt nicht aus, dass das Feuer gelegt wurde.

    Laut Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex hat die Zahl der Asylanträge in der EU bereits Anfang Juli die Marke des gesamten Vorjahres überschritten. Nach Angaben der EU-Kommission baten allein im Juli 100.000 Flüchtlinge um Asyl — zusätzlich zu den 400.000 in der ersten Jahreshälfte. Die meisten Asylanträge werden in Deutschland gestellt: Die deutschen Behörden rechnen mit insgesamt 800.000 Migranten in diesem Jahr.

    Berlin ruft die europäischen Partner zur Solidarität auf und fordert eine Änderung des Dubliner Abkommens. Laut diesem Abkommen ist derjenige EU-Staat, in dem der Flüchtling zuerst europäischen Boden betritt, auch für dessen Asylantrag verantwortlich. Allerdings konnten die EU-Staaten sich bei dieser Frage bislang nicht auf einen Kompromiss einigen.

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