06:43 12 Dezember 2019
SNA Radio
    Syrische Migranten an der Grenze Ungarn-Serbien

    Flüchtlingsdrama: Profit für Mafia, Milliardenverluste für EU – Studie

    © REUTERS / Bernadett Szabo
    Politik
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1282)
    101829
    Abonnieren

    Europa sieht sich immer härter mit unkontrollierbarer Zuwanderung konfrontiert, die offenbar das Ausmaß einer Katastrophe anzunehmen droht. Seit der Jahrhundertwende hat das Flüchtlingsdrama die EU fast 13 Milliarden Euro gekostet, einen noch höheren Betrag allerdings der Mafia und den Schleppern eingebracht, wie eine unabhängige Studie zeigt.

    Das umfassende Rechercheprojekt „The Migrants' Files" wurde von einem Team  20 europäischer Journalisten aus der internationalen Agentur „Journalism++“ erarbeitet. Es befasst sich seit 15 Jahren mit dem Flüchtlingsproblem und wurde diesen Sommer veröffentlicht. Alle im Bericht erwähnten Zahlen bekamen die Experten bei der Recherche von Regierungsdokumenten und öffentlich zugänglichen Medienquellen.

    Laut Angaben der Journalisten haben die EU-Länder seit 2000 bereits 12,9 Milliarden Euro ausgegeben, und das allein, um illegale Flüchtlinge abzuschieben und sie präventiv an den Grenzen aufzuhalten und abzuschrecken.

    Dabei hätten die EU-Staaten beim Kampf mit der Migrationskrise auch „diktatorischen“ Regimen mit Geld beigestanden – rund 74,65 Millionen Euro sollen die drei nordafrikanischen Staaten Tunesien, Algerien und Marokko sowie Libyen und Mauretanien erhalten haben, um den Flüchtlingsstrom zu bremsen. Und das nicht immer im Einklang mit den Menschenrechten, so die Autoren der Studie.

    Die mit der illegalen Immigration verbundenen Kosten wachsen laut „The Migrant Files“ stetig weiter: einem Bericht der EU-Kommission zufolge wird die Innenpolitik der EU-Staaten bis 2020 rund 9,26 Milliarden Euro kosten, was um 30 Prozent mehr ist, als dafür in den Jahren 2007 bis 2013 ausgegeben wurde. Von den 9,26 Milliarden Euro wurden rund 6,9 Milliarden für Migrationspolitik bereitgestellt und an die Fonds „Asylum, Migration and Integration Fund” (AMIF) und „Internal Security Fund” (ISF) weitergeleitet. Darunter sollen 2,4 Milliarden als Hilfe an Länder zugeteilt werden, die es zurzeit mit einer hohen Migrationswelle zu tun haben. Dies seien unter anderen Italien mit 560, Spanien mit 522 und Griechenland mit 473 Millionen Euro.

    Andererseits sei das Migrationsdrama auch zu einem Milliardengeschäft geworden, das den Flüchtlingen selbst teurer zu stehen kommt, als Europa der Kampf gegen sie: Insgesamt sollen Einwanderer und Flüchtlinge 15,7 Milliarden Euro an ominöse Schlepperbanden gezahlt haben, um über das Mittelmeer oder auf Umwegen in den Schengen-Raum zu gelangen.

    Eine tatsächliche Summe könne laut den Journalisten jedoch nicht ermittelt werden und läge höchstwahrscheinlich viel höher. Das hänge damit zusammen, das die Zahlungen derjenigen, die von den Behörden unbemerkt in die EU gelangt sind,  sowie die Ausgaben der 29.000 Menschen, die seit 2000 auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind, nicht berücksichtigt werden können.

    Am 28. August berichtete die Internationale Organisation für Migration, dass allein in diesem Jahr bereits mehr als 2.300 Menschen bei dem Versuch, Europa auf einem Boot oder Schiff zu erreichen, umgekommen seien. Zuletzt seien in dieser Woche fast 200 Flüchtlinge vor der libyschen Küste ertrunken.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1282)

    Zum Thema:

    Berliner SPD-Chef Stöß zu Flüchtlingskrise: Es wird schwerer, bevor es leichter wird
    „Volksverräterin“ – Demonstranten buhen Merkel bei Besuch von Flüchtlingsheim aus
    Flüchtlingsansturm: Schengen-Raum stößt an seine Grenzen
    Europa und Deutschland gegen „Migrationswaffe“ machtlos?
    Tags:
    The Migrants' Files, Schengen-Zone, Migrationspolitik, Migranten, Internal Security Fund (ISF), Asylum, Migration and Integration Fund (AMIF), Journalism, EU-Kommission, Europa, Spanien, Griechenland, Italien