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00:12 20 Oktober 2019
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    Die Spionageabwehr der Bundeswehr: „Zu lasch, zu weich, nicht professionell genug“

    © Flickr/ Wir. Dienen. Deutschland.
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    Der Militärische Abschirmdienst (MAD), der die Bundeswehr vor Spionage, Sabotage und Extremismus schützen soll, ist aus Sicht von Sicherheits-Experten der Nato lässig, gefügig und unprofessionell, wie „Focus“ unter Berufung auf zwei Nato-Offiziere schreibt, die nicht genannt werden wollten.

    Die Nato-Abwehrbehörde ACCI, die viele Informationen von den Nachrichtendiensten ihrer Mitgliedsstaaten bekommt, überreichte dem MAD in den letzten vier Jahren mehr als 20 verdächtige Verratsdelikte. Nahezu alle Ermittlungen hätten zu keinem Ergebnis geführt. „Die sind zu lasch, zu weich, nicht professionell genug“, sagten die beiden Offiziere und führten einige Beispiele an.

    So besuchte ein Unteroffizier, der an Kampfeinsätzen der Bundeswehr in Afghanistan teilnehmen musste, ein verstecktes Bordell in der Hauptstadt Kabul. Es wurde von Ganoven aus dem Kaukasus betrieben. Dort hätte der Offizier angeblich eine chinesische Prostituierte getroffen, in die er sich verliebt und der er so manches Militärgeheimnis ausplaudert hätte.In der Dame des Herzens des Unteroffiziers erkannte der Nato-Geheimdienst eine Agentin des chinesischen Geheimdienstes. Als der Unteroffizier aus Afghanistan abgezogen wurde und nach Deutschland zurückkam, tauchte auch diese Frau dort auf und fand wieder zu ihrem alten Geliebten. Diese verdächtige Liebesgeschichte, die dem ACCI nicht verborgen blieb, wurde den Verschlussakten zufolge vom MAD nicht aufgeklärt.

    Ein anderer Offizier nahm entgegen den Dienstvorschriften streng vertrauliche Dokumente gelegentlich mit nach Hause. Dort wurde er von seiner Frau erwartet, die aus einer früheren sowjetischen Republik in Vorderasien stammt. Nach Anfrage von ACCI-Detektiven sollte der MAD herausfinden, ob die Frau die Dossiers gelesen, fotokopiert und weitergeleitet hätte. Doch auch dieses Verfahren versandete.

    Vertreter des MAD zeigten sich über die Aussagen der beiden ACCI-Offiziere äußerst überrascht. „Zwischen den beiden Diensten besteht seit vielen Jahren eine ausgesprochen gute Arbeitsbeziehung“, zitiert „Focus“ den Sprecher des MAD, Oberstleutnant Thomas Dröge.

    Es hätte auch erfolgreiche Kooperationen gegeben, schreibt „Focus“ und erinnert an einen Fall von 2012. Damals erfuhren die beiden Dienste, die ACCI und der MAD, von einem schweren Fall von Verrat im Luftstützpunkt Ramstein. Nato-Mitarbeiter Manfred K. hatte geheime Militärdaten wie Passwörter für Waffensysteme gestohlen und weitergeleitet. Dafür hätte er 6,5 Millionen Euro auf Tarnkonten überwiesen bekommen. Als der Fall aufgedeckt war, bekam Manfred K. sieben Jahre Haft. Doch von wem er das Geld bekommen hatte, sei bis heute ungeklärt.

    „Ob der MAD für neue Herausforderungen gerüstet ist, ist ebenso ungewiss“, schließt der „Focus“-Reporter Josef Hufelschulte. „Vor 20 Jahren hatten wir fast 200 Mitarbeiter in der Abwehr, heute ist es nur noch ein Bruchteil davon“, zitiert Hufelschulte den MAD-Präsidenten Christof Gramm.

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    Tags:
    Sabotage, Extremismus, Geheimdienst, Spionage, NATO, ACCI, Militärischer Abschirmdienst (MAD), Bundeswehr, Christof Gramm, Deutschland, USA, Afghanistan